Literaturgeschichtliches Proseminar
Dr. Friederike Reents

Literaturtheorien

Do 9.00-11.00
PB SR 123
Beginn: 15.04.2010

Gegenstand

Texte sind interpretationsfähig und interpretationsbedürftig. Dies gilt verstärkt, seit die literarischen Texte sich im 18. Jahrhundert im Rahmen der gesellschaftlichen wie ästhetischen Veränderungen in einem zunehmend autonomen System bewegen. Mit Verzögerung setzten um 1900 die Verwissenschaftlichung und Ausdifferenzierung der Befassung mit Literatur ein – eine Entwicklung, der wir Begriffe wie "Methode" und "Literaturtheorie" verdanken.
In dem Seminar wird der methodische Umgang mit Texten, also die so genannte Literaturtheorie, erarbeitet und auf Anwendbarkeit hin überprüft. Ausgehend von geistesgeschichtlichen Betrachtungsweisen wie der Hermeneutik, soziologischer und marxistischer Gesellschaftstheorie und psychoanalytischer Literaturtheorie, stehen nach 1945 strukturalistische, diskursanalytische, dekonstruktivistische und systemtheoretische Ansätze im Vordergrund. Daneben treten seit den 1960er Jahren die Gender Studies, Medientheorien und kulturwissenschaftliche Theorien, in den letzten Jahren bereichert durch Reflexionen über die Bildlichkeit von Texten (iconic bzw. emotional turn).

Folgende Texte werden behandelt:
- Hans-Georg Gadamer, Sprache als Medium der hermeneutischen Erfahrung
- Hans Robert Jauss, Literaturgeschichte als Provokation der Literaturwissenschaft
- Georg Lukács, Einführung in die ästhetischen Schriften von Marx und Engels
- Jürgen Habermas, Selbstreflexion der Geisteswissenschaften: die historische Sinnkritik
- Sigmund Freud, Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse
- Roland Barthes, Die strukturalistische Tätigkeit
- Michel Foucault, Was ist ein Autor?
- Hans Blumenberg, Paradigmen zu einer Metaphorologie
- Wolfgang Iser, Das Zusammenspiel des Fiktiven und des Imaginären
- Jacques Derrida, Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen
- Paul de Man, Der Widerstand gegen die Theorie
- Niklas Luhmann, Das Kunstwerk und die Selbstreproduktion der Kunst
- Joan W. Scott, Gender. Eine nützliche Kategorie der historischen Analyse
- Gottfried Boehm, Jenseits der Sprache? Anmerkung zur Logik der Bilder
- Richard Johnson, Was sind eigentlich Cultural Studies?
- Albrecht Koschorke, Codes und Narratives, Ãœberlegungen zu einer Poetik der funktionalen Differenzierung


Organisationsform

Diskussion im Plenum auf Basis von Referaten.

Erste Sitzung am Do, 15. April 2010, PB SR 123, 9-11 Uhr.

Einführende Literatur

Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, hrsg. u. komm. v. Dorothee Kimmich, Rolf G. Renner und Bernd Stiegler, Reclam 2008.


Studiengänge und Module

BA B 2.2 Proseminar NDL: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)

BA B 2.3 Proseminar NDL: Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie 6 LP

MA Vertiefungsmodul - Proseminar/Forschungswerkstatt/Ãœbung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)

Mag und LA Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP
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