Druckansicht

Vorlesung
Prof. Dr. Anja Lobenstein-Reichmann
Prof. Dr. Anja Lobenstein-Reichmann

Sprache im Nationalsozialismus

Do, 12.15 - 13.45
Kstr. 16 HS 007
Beginn: 14.04.2011

Gegenstand

Gegenstand der Vorlesung ist der Sprachgebrauch während der dunkelsten Epoche deutscher Geschichte. Es geht um das Faktum, dass eine im Besitz der „Macht“ befindliche politische Partei in den Jahren zwischen 1933 und 1945 nach einer kämpferischen Vorphase in den zwanziger Jahren weiteste Teile der politischen, staatlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Organisation eines größeren Staates in ihrem Sinne umzugestalten vermochte. Geht man mit Berger / Luckmann davon aus, dass „Wirklichkeit“ gesellschaftlich konstruiert wird, dann wird man einerseits dem Sprachgebrauch der Akteure und den mit ihm verbundenen weiteren semiotischen Handlungen, andererseits dem Mitspielen der Rezipienten in dem genannten Prozess eine hohe Rolle zuschreiben müssen. Die Stichworte, die hier fallen müssen, sind sprachliche Propaganda und sprachliche Manipulation durch eine kommunikativ durchsetzungsfähige bzw. dominante Gruppe, das heißt auch: Ideologisierung einer Gesellschaft mithilfe bestimmter allgemeingültiger sprachlicher Strategien. Gefragt werden muss außerdem, inwiefern diese sprachlichen Beeinflussungen die normalen Kommunikationsbedingungen einer Gesellschaft außer Kraft setzen können.
Mithilfe von Beispielanalysen unterschiedlicher Texte und Textsorten soll gezeigt werden, wie die kommunikativen Handlungen des Agierens und des Reagierens, des Spielführens und des Mitspielens funktioniert haben und welche kommunikativen Spielräume es für die jeweiligen Gruppen (Opfer, Täter, Kollaborateure usw.) gegeben hat. Auf der Ebene der Lexik geht es konkret um den „Ausverkauf der Worte“ (Karl Kraus), um Metaphern, Schlagwörter, Euphemismen (z. B. Sonderbehandlung). Auf der satzsemantischen Ebene sollen Phänomene der Implizitheit und der Explizitheit, der kollektive Singular und Subjektschübe erörtert werden. Besonderes Gewicht liegt nach dem oben Beschriebenen auf den pragmatischen Aspekten, also auf dem sprachlichen Handeln in und durch Stereotypisierungen und Stigmatisierungen (Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle) oder durch bestimmte Sprechakte wie Versprechen und Befehlen (K. Ehlich). Eingeführt werden zentrale Termini wie Deontik (F. Hermanns), Konnotationsanalyse, Polyphonie (U. Maas), propositionale Leere, Komplexitätsreduktion und phatische Funktion von Sprache (K. Ehlich).

Organisationsform

Vorlesung und Plenumsdiskussion

Einführende Literatur:


Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/b Vorlesung: 2 LP

Master

1. Linguistik (Ling.)

MA Grundlagenmodul – Vorlesung Ling.: Sprachauffassungen und Perspektivität – diachron und synchron (4 LP)
MA Vertiefungsmodul – Vorlesung Ling.: Perspektiviertheit von Erkennen und Wissen in Texten (4 LP)
MA Kompaktmodul – Vorlesung Ling.: Sprachauffassungen und Perspektivität – diachron und synchron (4 LP)

Lehramt (neu)

C 1/a: Ergänzungsmodul: Vorlesung Sprachwissenschaft: 4 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF) bzw. 2 LP (in: EF + BF)

Druckansicht