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Übung
ÜK: Wissenschaftliches Arbeiten
ÜK: Lektürekurs
Sonstige ÜK
Dr. Janina Reibold

Nietzsche lesen. Einführung in die Lektüre der deutschen Kurrentschrift

Mi, 16:15 - 17:45
PB SR 122
Beginn: 14.10.2015

Gegenstand

Friedrich Nietzsche, der 21 Jahre (also gut die Hälfte seines bewussten Lebens) per Profession Philologe war, beschreibt in ›Der Antichrist‹ die Philologie als »die Kunst, gut zu lesen, […] Thatsachen ablesen [zu] können, ohne sie durch Interpretation zu fälschen, ohne im Verlangen nach Verständniss die Vorsicht, die Geduld, die Feinheit zu verlieren.« (KSA 6:233) – In dieser Übung wollen wir die »Kunst, gut zu lesen« einüben, die zu allererst in der Lektüre dessen, was geschrieben steht, besteht.

Über Jahrhunderte hatte der deutsche Sprachraum eine eigenständige Schreibschrift, die sich grundlegend von der in anderen europäischen Ländern gebräuchlichen lateinischen Schreibschrift unterscheidet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die deutsche Kurrent sukzessive – und dann 1941 per nationalsozialistischem Erlass – von der heute gebräuchlichen lateinischen Schreibschrift abgelöst.
Für Germanistikstudenten stellt dieser Wechsel des Aufschreibesystems innerhalb des deutschen Sprachraums eine der Hauptschwierigkeiten im Umgang mit literarischen Handschriften deutscher Autoren dar. Selbst Reinschriften können ohne Kenntnis der spezifischen Buchstabenformen der deutschen Kurrentschrift nicht gelesen werden. Für die wissenschaftliche Beschäftigung mit literarischen Handschriften ist die Erlernung der deutschen Schreibschrift daher unumgänglich.

In dieser Übung soll anhand von Handschriften aus dem Nachlass Friedrich Nietzsches die Lektüre der deutschen Kurrentschrift erlernt und eingeübt werden. Beginnen werden wir mit reinschriftlichen Druckvorlagen, um uns dann nach und nach zu den schwer lesbaren Entwürfen vorzuarbeiten. Neben der praktischen Lektüre sollen die entzifferten Handschriften im zweiten Teil jeder Sitzung auch interpretatorisch behandelt werden.
Mit wenig Mühe lassen sich im Anschluss an die Übung die erworbenen Kenntnisse für die Lektüre handschriftlicher Aufzeichnungen anderer Autoren anwenden.

Organisationsform

Abgeschlossen wird die Übung mit einer Klausur in der letzten Sitzung.

Einführende Literatur:

– Harald Süß, Deutsche Schreibschrift. Lesen und Schreiben lernen. Lehrbuch (München 2002)
– Friedrich Nietzsche, Werke. Kritische Gesamtausgabe, hrsg. v. Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Neunte Abteilung. Der handschriftliche Nachlaß ab Frühjahr 1885 in differenzierter Transkription, hrsg. v. Marie-Luise Haase, Michael Kohlenbach und Martin Stingelin (Berlin, New York 2001 ff.)
– www.nietzschesource.org

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Übung (Lektürekurs): 3 LP

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)
MA Kompaktmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)

Lehramt (neu)

A 3/c: Lektürekurs: Neuere deutsche Literaturwissenschaft: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF)
C 1/b: Ergänzungsmodul: Lektürekurs Neuere Deutsche Literaturwissenschaft: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF / BF + K/M)

Master Editionswissenschaft

Basismodul I 5 – Hauptseminar: Neuzeitliche Schrift- und Buchkunde (4 LP)
Ergänzungsmodul I – Alte und neue literarische Texte: HS Neuere Handschriftenkunde und Editionspraxis (5 LP)

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