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Literaturwissenschaftliches Proseminar
(auch EPG II)
Dr. Pamela Kalning

Lehrhafte Dichtungen des Mittelalters

Fr, 9:15 - 10:45
PB SR 038
Beginn: 28.10.2016

Gegenstand

Mittelalterliche Literatur bietet Einblicke in Verhaltensregeln und Lebenswelten einer vergangenen Zeit. In fiktionalen Texten geschieht dies punktuell und exemplarisch. Im Iwein zum Beispiel unterstützt Lunete den Helden, weil dieser sich seinerseits bei einer früheren Begegnung als einziger am Hof ihr gegenüber höfisch verhalten hat: Er hat sie gegrüßt.
Lehrdichtungen stellen solche Verhaltensregeln ins Zentrum der Aufmerksamkeit. So wird im Winsbeckischen Gedicht ausführlich vorgeführt, wie ein Vater seinen Sohn unterweist und für die Rolle als Hausvater und Ehemann vorbereitet. Dabei spielen neben konkreten Vorschriften in einzelnen Situationen auch Tugenden und Laster eine wichtige Rolle, ethische Konzepte, die uns heute fremdartig erscheinen. Sie gilt es unter Rückgriff auf neoaristotelische Theorien (Martha Nussbaum, Alasdair MacIntyre) zu erschließen.
Die Winsbeckin zeigt Mutter und Tochter in einem Gespräch, das nicht nur den andersartigen Kommunikationsstil der Frauen deutlich macht. Auch die Themen, die hier verhandelt werden, sind weniger alltagspraktisch als ideologisch: Es geht fast auschließlich um Minne, die Normen, die formuliert werden, orientieren sich am hierarchisch gestalteten Geschlechterverhältnis. Verschiedene Stände sollen sich also in verschiedenen Wertesystemen verorten. Auch in diesem Punkt unterscheiden sich mittelhochdeutsche Lehrdichtungen grundlegend von der Welt, in der wir heute leben. Was das für Konsequenzen hat, soll in dem Seminar untersucht werden.

Organisationsform

Die mittelhochdeutschen Texte werden im Seminar gemeinsam erschlossen. Von den Primärtexten ausgehend werden Fragestellungen erarbeitet, die wir an den Text heranlegen wollen, und Wege gesucht, mit denen diese Fragen wissenschaftlich fundiert beantwortet werden können. Am Ende des Denkprozesses steht in der Regel eine schriftliche Hausarbeit, in der die Überlegungen festgehalten werden.

Einführende Literatur:

zur Vorbereitung:
Winsbeckische Gedichte nebst Tirol und Fridebrant, hrsg. v. Albert Leitzmann, 3. neubearbeitete Auflage von Ingo Reiffenstein, Tübingen 1962 (ATB 9)
Frieder Schanze, Winsbecke, Winsbeckin und Winsbecken-Parodie, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2., völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Kurt Ruh (u.a.), Band 1–14, Berlin (u.a.) 1978–2008, Band 10 (1999), Sp. 1.224–1.231
Frieder Schanze/Christoph Schanze, Winsbecke und Winsbeckin, in: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums, 2. vollständig überarbeitete Auflage, hrsg. von Wilhelm Kühlmann, Band 1–13, Berlin (u.a.) 2008–2012, Band 12 (2011), S. 461–463

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

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