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Dr. Christoph Roth
Dr. Christoph Roth

›Fortunatus‹

Mi, 14.15-15.45
PB SR 122
Beginn: 13. 04.2011

Gegenstand

Der ›Fortunatus‹ ist eines der Werke aus der Zeit zwischen Mittelalter und Neuzeit, zu dem es mehr Fragen als Antworten gibt. Nicht geklärt ist die Herkunft der Prosaerzählung, der Autor ist unbekannt, der Entstehungsort spekulativ, die Wirkabsicht rätselhaft. Manches ist aber auch klar: Eine handschriftlicher Vorläufer des Textes ist nie aufgetaucht, der Druck erschien in Augsburg 1509, verlegt von einem dort ansässigen Apotheker. Beschrieben wird das wechselvolle Schicksal des Fortunatus, eines Sprösslings aus verarmtem zypriotischem Adel und dessen zwei Söhnen. Zum immensen Erfolg des »Romans« (weitere ca. 20 Ausgaben noch im 16. Jh.!) dürfte beigetragen haben, dass Grundfragen und –bedürfnisse des Publikums in dieser Zeit bearbeitet und befriedigt werden: Der Leser lernt mittels der ausgedehnten Reisebeschreibungen die Welt besser kennen, er erfährt Wunderbares (Auftritt einer Glücksfee) und er wird mit der Frage nach den Leitmotiven menschlichen Lebens konfrontiert: Ist Reichtum einen tragfähige Lebensmaxime, ist es Gesundheit, ist es Schönheit, ist es Weisheit? Noch die Romantiker Anfang des 19. Jh. hat der Stoff so fasziniert, dass sie ihn in Lustspielen, Zaubertragödien und »komischen« Romanen wieder aufnahmen. Um sich den Fragestellungen des Seminars in kompetenter Weise stellen zu können, müssen die Teilnehmer bereit sein, sich auf die Besonderheiten der Sprachstufe des Frühneuhochdeutschen engagiert einzulassen. Interessenten mit Frühneuhochdeutsch-Kenntnissen sind natürlich besonders willkommen.

Organisationsform

Die Teilnehmer stellen ihre Analysen und Deutungsvorschläge einzelner Textpassagen im Plenum zur Diskussion.

Einführende Literatur:

Textgrundlage: Fortunatus. Studienausgabe nach der Editio princeps von 1509, hg. von Hans-Gert Roloff, Stuttgart 2007 (RUB 7721); einführende Literatur: Materialien zum Verständnis des Textes in der Ausgabe, S. 207-322; Marjatta Wis, ‚Fortunatus’ in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, Band 2, 2. Auflage 1979, Sp. 796-798.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

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