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Sprachwissenschaftliches Proseminar
Lucia Assenzi

Syntaktischer Wandel

Fr, 9:15 - 10:45
PB SR 038
Beginn: 20.10.2017

Gegenstand

Wo ist das Hilfsverb in »Meiner Recha wär\' / Es Wunders nicht genug, daß sie ein Mensch / Gerettet« (Nathan der Weise, I, 2)?

Warum klingt der Satz „Ich tue den Kaffee kochen“ ungrammatisch, obwohl die Periphrase durch tun + Infinitiv bis ins 17. Jh. in der Literatursprache vorkommen durfte und außerdem in vielen deutschen Dialekten durchaus lebendig ist?

Syntaktischen Erscheinungen dieser Art, die in der frühneuzeitlichen und in der neueren Literatur häufig vorliegen, sind im heutigen Standarddeutsch nicht mehr erlaubt. Wo kommen sie her? Wohin sind sie verschwunden?

Die heutige Standardsprache sorgt aber auch für rätselhafte Strukturen, die entweder als Ausnahmen oder als Unregelmäßigkeiten beschrieben werden. Wieso sagt man etwa, »dass er gestern ein Buch gelesen hat«, aber »dass er gestern das Buch hat lesen können«? Warum war »dass er gestern hat ein Buch gelesen« früher möglich und heute nicht mehr?

Im Seminar soll von Beispielen für syntaktische Anomalien in der neueren Literatur sowie in der heutigen Standardsprache ausgegangen werden. Diese werden beschrieben und in ihrer geschichtlichen Entwicklung verfolgt.

Dadurch sollen einerseits die wichtigsten Phänomene des syntaktischen Wandels des Deutschen erläutert werden, andererseits wird klar, dass der Sprachwandel nicht ausschließlich der grauen Vergangenheit zugeschrieben werden darf: Die Prinzipien des syntaktischen Wandels, die die früheren Phasen des Deutschen prägten, sind bis heute wirksam und können einige Anomalien der gegenwärtigen deutschen Syntax erklären.

Organisationsform

Dozentenvorträge, Kurzreferate der Teilnehmer/-innen, Analysesitzungen, Durchführung einer eigenen Studie.

Einführende Literatur:

Für die Beschreibung der syntaktischen Erscheinungen wird das topologische Satzmodell verwendet. Idealerweise sollten Sie sich mit der Terminologie schon vor Beginn des Semesters vertraut machen. Eine gute Einführung findet sich in:

Pittner, Karin; Berman, Judith (2015): Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. 6., durchgesehene Auflage. Tübingen: Narr Studienbücher.
(frühere Auflagen sind ebenfalls geeignet)

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Linguistik: Sprache als System (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)
BA B 2.2 Übung (Lektürekurs): 3 LP
BA B 2.3 Proseminar Linguistik: Sprache als System (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgesch. (6 LP)
BA ÜK B Lektürekurs: je nach Arbeitsaufwand 1-3 LP

Master

1. Linguistik (Ling.)

MA Grundlagenmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Wissen und Text (6 LP)
MA Kompaktmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen; wahlweise: Wissen und Text (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Sprachwissenschaft: Sprache als System (6 LP)
A 3/a: Vertiefungsmodul: Proseminar Germanistische Sprachwissenschaft: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)
A 3/a: Lektürekurs: Germanistische Sprachwissenschaft: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF)
C 1/a: Ergänzungsmodul: Lektürekurs Sprachwissenschaft: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF / BF + K/M)

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