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Literaturwissenschaftliches Proseminar
Sprachwissenschaftliches Proseminar
Kerstin Vockel
Isabella Managò

Text und Erinnerung. Das kulturelle Gedächtnis aus sprach- und literaturwissenschaftlicher Perspektive

Mi, 16:15 - 17:45
PB SR 038
Beginn: 18.10.2017

Gegenstand

„Unter dem Begriff des kulturellen Gedächtnisses fassen wir den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, Bildern und Riten zusammen, in deren »Pflege« sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt, ein kollektiv geteiltes Wissen, vorzugsweise (aber nicht ausschließlich) über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr Bewusstsein von Einheit und Eigenart stützt.“ (Assmann 1988, S. 15).

Seit dem 20. Jh. und spätestens seit den Forschungen des Ehepaars Assmann hat sich um den Begriff der Erinnerung ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften etabliert, das die verschiedenen kulturellen Felder – Literatur, Kunst, Politik, Religion, Musik etc. – in neuen Zusammenhängen erscheinen lässt. Erinnerung ist eine kulturelle Leistung, die auch und besonders aus Sprache und Literatur erwächst und häufig identitätsstiftenden Charakter hat. In unserem Seminar legen wir den zeitlichen Schwerpunkt auf das Mittelalter und die Frühe Neuzeit und werden anhand von verschiedenen Medien und Gattungen wie Romanen, Chroniken, Liedern, Märchen, aber auch Namen etc. Schlaglichter auf die Frage nach der Bedeutung von Erinnerung für eine Kultur werfen. Es geht uns dabei um die Analyse von Denkformen, Sinngebungen und Weltdeutungen, die durch den Bezug auf die Vergangenheit entstehen und die sich uns in Sprache und Literatur beispielsweise anhand von Kanonisierung, Traditionen des Erzählens (z.B. des Wiedererzählens), des Verhältnisses von Mündlichkeit und Schriftlichkeit und der Etymologie offenbaren. Ausblickend werden wir uns schließlich noch dem Phänomen der aktiven Verweigerung oder sogar Zerstörung von Erinnerung, der damnatio memoriae widmen, wie sie in heutiger Zeit vor allem von menschen- und kulturfeindlichen Gruppierungen wie dem sog. IS betrieben wird, die sich damit aber, wie wir sehen werden, – paradoxerweise – auch in eine Tradition einreihen.

Organisationsform

Dozentenvortrag, gemeinsame Lektüre (ggf. in Gruppenarbeit), Plenumsdiskussionen und Impulsreferate. Aufgrund der Breite des Themas wird eine hohe Bereitschaft zur regelmäßigen, eigenständigen und hinterfragenden Lektüre vorausgesetzt.

Das Seminar findet während des Semesters immer mittwochs von 16:15 bis 17:45 Uhr statt. Zusätzlich finden am 10. November und am 8. Dezember zwei Blockveranstaltungen statt.

Einführende Literatur:


Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Linguistik: Sprache als System (6 LP)
BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgesch. (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Sprachwissenschaft: Sprache als System (6 LP)
A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/a: Vertiefungsmodul: Proseminar Germanistische Sprachwissenschaft: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

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