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Literaturwissenschaftliches Proseminar
Dr. Bernhard Walcher

Literatur und Kriminalität. Kriminalerzählungen von Friedrich Schiller bis Theodor Storm

Di, 14:15 - 15:45
PB SR 123
Beginn: 17.10.2017

Gegenstand

Spannung und Unterhaltung sind nur zwei Aspekte der Funktions- und Wirkungsweise literarischer Erzählungen von Mord und Totschlag und die Aufdeckung eines Verbrechens samt der Überführung des Täters durch einen messerscharf kombinierenden Protagonisten (Detektiv, Ermittler etc.) nur eine Möglichkeit, die Handlung und Erzählanlage zu strukturieren. Das Interesse von Kriminalerzählungen und Kriminalromanen gilt vor allem auch dem Zusammenhang von Verbrechen, Moral und Recht. Seit dem späten 18. Jahrhundert werden die Entwicklungen in der Rechtsphilosophie und die Reformprozesse in der Rechts- und Strafpraxis sowohl von zahlreichen Sammlungen ‚aktenmäßig behandelter‘ Fall- und Prozessgeschichten („Newgate Calendar“; François Gayot de Pitaval) als auch fiktionalen Texten begleitet, die nicht selten auf historische Fälle und Verbrechen zurückgreifen. Friedrich Schiller sah in seinem „Verbrecher aus verlorener Ehre“ (1792, zuerst 1786: „Verbrecher aus Infamie“) und der erzählerischen „Leichenöffnung seines Lasters“ die Möglichkeit, den Menschen wenn nicht zu bessern, so doch zu „unterrichten“. Unterschiedliches Interesse markieren die Texte in der Darstellung und Reflexion der anthropologischen und psychologischen Voraussetzungen des Täters und der moralisch-sozialen und rechtshistorischen Umstände der Tat.
Im Seminar werden Kriminalerzählungen aus rund hundert Jahren behandelt, vom späten 18. bis zum späten 19. Jahrhundert. Analysiert und interpretiert werden die ausgewählten Werke sowohl aus gattungshistorischer Perspektive als auch im Horizont zeitgenössischer Rechts-und Moralauffassungen sowie mit Blick auf den literarhistorischen und ästhetischen Kontext. Neben den bekannten Erzählungen von Friedrich Schiller („Der Verbrecher aus verlorener Ehre“), E.T.A. Hoffmann („Das Fräulein Scuderi“), Franz Grillparzer („Das Kloster bei Sendomir“), Annette von Droste-Hülshoff („Die Judenbuche“), Conrad Ferdinand Meyer („Die Richterin“), Theodor Fontane („Unterm Birnbaum“) und Theodor Storm („Der Doppelgänger“) werden auch Auszüge aus Textsammlungen historischer Verbrechensfälle und aus einschlägigen Zeitschriften gemeinsam gelesen. Eine genaue Liste der Texte sowie der anzuschaffenden Ausgaben wird in der ersten Sitzung verteilt.

Organisationsform

Plenumsdiskussion mit Einführungsreferaten

Einführende Literatur:

Jörg Schönert: Kriminalität erzählen. Studien zu Kriminalität in der deutschsprachigen Literatur (1570–1920). Berlin, Boston 2015 (Juristische Zeitgeschichte, Abt. 6: Recht in der Kunst – Kunst im Recht, Bd. 42).

Jochen Vogt (Hg.): Der Kriminalroman. Poetik – Theorie – Geschichte. München 1998 (UTB für Wissenschaft, Bd. 8147).

Alexander Košenina (Hg.): Kriminalfallgeschichten. München 2014 (Text+Kritik, Sonderband V/14).

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Proseminar NDL: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Literaturgeschichte (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie 6 LP

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)
MA Kompaktmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 3/c: Vertiefungsmodul: Proseminar Neuere deutsche Literaturwissenschaft: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)

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