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Dr. Sandra Kluwe

E.T.A. Hoffmann

Di, 16.15-17.45
PB SR 122
Beginn: 11.10.2011

Gegenstand

E.T.A. Hoffmann, so Heinrich Heine in seinem Groß-Essay »Die Romantische Schule« (1835), »sah überall nur Gespenster, sie nickten ihm entgegen aus jeder chinesischen Theekanne und jeder berliner Perücke; er war ein Zauberer, der die Menschen in Bestien verwandelte und diese sogar in königlich Preußische Hofräthe; […] er fühlte, daß er selber ein Gespenst geworden; die ganze Natur war ihm jetzt ein mißgeschliffener Spiegel, worin er, tausendfältig verzerrt, nur seine eigne Todtenlarve erblickte; und seine Werke sind nichts anders als ein entsetzlicher Angstschrey in zwanzig Bänden.« Und doch war eben dieser »Gespenster-Hoffmann« ein durchaus »skeptischer Phantast« (Rüdiger Safranski), der sich zu den von ihm heraufbeschworenen Geistern in ironische Distanz zu setzen vermochte. Entsprechend zwiespältig stellt sich Hoffmanns Verhältnis zur Epoche der Romantik dar. So zeugt seine Tendenz zum Unheimlich-Gespenstischen, Phantastisch-Abseitigen und Dämonisch-Grotesken einerseits von der Potenzierung der »blauen Romantik« zur »schwarzen Romantik«, andererseits desillusioniert Hoffmanns Erzähltechnik mit ihren perspektivischen Brechungen und selbstreflexiven Spiegelungen den Glauben an die romantische Welt der (Alp-)Träume, Visionen und Halluzinationen. Der zentrale Konflikt zwischen romantischem Künstlertum und bürgerlicher Alltagstauglichkeit, den Hoffmann anhand von Musikern, Dichtern oder künstlerisch veranlagten Außenseitern profiliert, wird so realistisch karikiert und zugleich surrealistisch überhöht. Als praktizierender Literat, Zeichner, Musiker und Jurist (der seine Examina mit der Note »vorzüglich« bestand), verbanden Hoffmanns »Doppelleben« und sein multimediales Werk also nicht nur die verschiedenen Darstellungsformen der Künste, sondern auch die Pole des genialen Ausnahmemenschen mit exzessivem Nachtleben und des soliden Beamten, der in politisch brisanten Gerichtsverfahren gesellschaftliche Verantwortung übernahm.
Das Seminar setzt sich zum Ziel, Grund- und Spezialwissen zum Autor, seiner Epoche und den von ihm bevorzugten literarischen Gattungen, insbesondere der Novelle und dem Kunstmärchen, zu vermitteln.

Organisationsform

Gemeinsame Textinterpretation mit studentischen Sitzungsexpertinnen und Sitzungsexperten sowie Blitzreferaten.

Textgrundlage und einführende Literatur:

Textgrundlage:
Anzuschaffen sind die Reclam-Ausgaben von E.T.A. Hoffmann: »Kreisleriana«, »Der Goldne Topf«, »Der Sandmann« und »Prinzessin Brambilla«.
Alle anderen Texte (u.a. »Ritter Gluck« und »Rat Krespel«) werden in Form eines Readers zur Verfügung gestellt, der voraussichtlich ab dem 04.10.11 im Kopierladen Copy-Quick (Sandgasse 4A) zu bestellen ist. Spätestens zur ersten Sitzung muss Ihnen dieser Reader vorliegen!
Einführende Literatur:
E.T.A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. Hrsg. von Detlef Kremer. Berlin: de Gruyter, 2010.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Proseminar NDL: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Literaturgeschichte (6 LP)

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)
MA Kompaktmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 3/c: Vertiefungsmodul: Proseminar Neuere deutsche Literaturwissenschaft: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)

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