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Hauptseminar
Oberseminar
PD Dr. Thordis Hennings

Das Heidenbild in ausgewählten mittelhochdeutschen Texten

Di, 14:15 - 15:45
PB SR 122
Beginn: 17.10.2017

Gegenstand

Noch im hohen Mittelalter wurden in der Regel alle Menschen, die nicht dem christlichen oder jüdischen Glauben angehörten, pauschal als ‚Heiden’ bezeichnet und somit als Polytheisten angesehen und abgewertet. Erst durch den Kontakt mit der islamischen Kultur im Verlauf der Kreuzzüge und lateinischen Übersetzungen islamischer Schriften entstand (zumindest in gebildeten Kreisen) ein differenzierteres Heidenbild.
In dem Kurs sollen in erster Linie drei mittelhochdeutsche Texte, in denen die Kämpfe der Christen gegen die Heiden eine zentrale Rolle spielen, in Hinblick auf die Darstellung der Heiden untersucht und miteinander verglichen werden. 1. Das (früh-)mittelhochdeutsche „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad (entstanden ca. 1170) und 2. dessen ca. fünf Jahrzehnte später entstandene Bearbeitung durch den Stricker mit dem Titel „Karl der Große“. Beide Werke erzählen gemäß der traditionellen Kreuzzugsideologie von den Kämpfen des christlichen Heeres unter Karl dem Großen gegen die Heiden in Spanien. Das 3. Werk ist der „Willehalm“ Wolframs von Eschenbach (entstanden im 2. Jahrzehnt des 13. Jh.s), in dem Wolfram ein für die damalige Zeit außergewöhnlich tolerantes Bild von den Heiden zeichnet und der traditionellen Kreuzzugsideologie somit eine klare Absage erteilt.

Organisationsform

Die TeilnehmerInnen sollten zu jeder Sitzung eine Übersetzung ausgewählter Textpartien vorbereiten und zudem ein kurzes mündliches Referat zu einem bestimmten Thema halten. Die Referatsthemen werden in der ersten Sitzung vergeben.

Textgrundlage und einführende Literatur:

Textausgaben:
• Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. Mhd./Nhd., hrsg., übers. und

kommentiert von D. Kartschoke (RUB 2745), Stuttgart 1996.
• K. Bartsch (Hrsg.): Karl der Große. Quedlinburg 1857 (Der Text wird zu

Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt). Alternativ kann auch die
Ausgabe von S. Weber (Hrsg.): Strickers Karl der Große. Analyse der
Überlieferungsgeschichte und Edition des Textes auf Grundlage von C (=
Schriftenreihe Schriften zur Mediävistik; Band 18). Hamburg 2010,
verwendet werden.
• J. Heinzle (Hrsg.): Willehalm. Nach der Handschrift 857 der
Stiftsbibliothek St. Gallen. Tübingen 1994/Frankfurt am Main 1991.
• W. Schröder: Willehalm. Text und Übersetzung. Berlin/New York, 3. Aufl.,
2003.

Sekundärliteratur:
• E. Nellmann, Konrad (Pfaffe), in: Verfasserlexikon V (1985), Sp. 115­131.
• B. Bastert: Helden als Heilige. Chanson de geste­ Rezeption im

deutschsprachigen Raum. Tübingen 2010.

• J. Greenfield, L. Miklautsch: Der „Willehalm“ Wolframs von Eschenbach.
Eine Einführung. Berlin 1998.
• B. Sabel: Toleranzdenken in mittelhochdeutscher Literatur. Wiesbaden
2003.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 3.1 Hauptseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (9 LP)
BA B 3.2, BA B 3.3 Hauptseminar Mediävistik: mittelalterl. Literatur (9 LP)

Master

3. Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (MA/FNZ)

MA Grundlagenmodul – Oberseminar MA/FNZ 1: Mittelalter (10 LP)
MA Vertiefungsmodul Mittelalter – Oberseminar: Mittelalter (10 LP)
MA Kompaktmodul – Oberseminar MA/FNZ: Literatur des Mittelalters oder der Frühen Neuzeit (10 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Hauptseminar: Hausarbeit

Lehramt (neu)

B 1: Aufbaumodul: Hauptseminar Mediävistik: 9 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF)

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