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Hauptseminar
Oberseminar
Prof. Dr. Michaela Kopp-Marx

Heidelberger Poetikdozentur 2018: Maxim Biller
Heidelberg Poetics Lectures 2018: Maxim Biller

Blockveranstaltung: Mi. 30.05., Di. 05.06., Mi. 06.06., Di. 12.06., Mi. 13.06., Di. 19.06., Mi. 20.06., Di. 26.06., Di. 03.07, Di. 10.07.
PB SR 224 (Di), PB SR 123 (Mi)

Gegenstand

Maxim Biller bewegt sich im Terrain von Journalismus, Schriftstellerei und Zeitkritik. Bekannt wurde er in den späten 1980er Jahren mit seiner Kolumne »100 Zeilen Hass«; damals, zwischen 1987 und 1996, begab er sich für das Magazin »Tempo« über 100 Mal auf die (vergebliche) Suche nach Wahrheit und Ehrlichkeit. 1990 erschien das schriftstellerische Debüt, der Erzählband »Wenn ich einmal reich und tot bin«; kontinuierlich entstanden Romane, Essays, Erzählungen, Dramen und Kinderbücher, zuletzt der 900-Seiten-Roman »Biografie« (2016) und die gesammelte Neuauflage der »Hass«-Kolumnen aus der »Tempo«-Zeit (2017).
Maxim Biller gehört zur Generation der Kinder und Enkel der Shoah-Überlebenden, die Deutschland bewusst nicht den Rücken gekehrt haben. Im literarischen Betrieb repräsentierte in den 90er Jahren eine dem offensiven Meinungskampf verschriebene Publizistik, die »ungenießbare« Literatur ebenso wie »unwürdiges« Verhalten schonungslos und mit großer Bissigkeit anprangerte. Daneben bemühte er sich um eine literarische Identität: »Judesein«, so die frühe Selbsterkenntnis, war »Schriftstellersein«. Billers Fakten und Fiktion verschmelzende, autobiographisch fundierte Geschichten kreisen um die Problematik jüdischer Existenz im »Land der Täter«, die Auswüchse deutscher »Vergangenheitsbewältigung«, die Absurditäten im deutsch-jüdischen Miteinander. Aus diesem Material werden abgründige Zeitbilder hergestellt – im Kern beschädigte Biographien allesamt: absichtslose Porträts versehrter Seelen, die auf der Suche sind nach Einverständnis, Orientierung, Bindung. Im Hintergrund der persönlichen Geschichte der Protagonisten liegt die Katastrophe des 20. Jahrhunderts, der Holocaust, aber auch die auf Gewalt beruhende Geschichte Israels.
Maxim Biller ist Verfechter einer sinnlich-suggestiven Literatur mit manchmal abenteuerlichen, von der Lust am Fabulieren charakterisierten Plots; interessanterweise sucht er das von den Modernen verfemte Prinzip der Moral in seinen Texten zu rehabilitieren. Neben den ebenso provozierenden wie komisch-amüsanten Inhalten werden wir uns die an der Postmoderne geschulte Erzähltechniken anschauen und mit dem Autor diskutieren, was »gute« Literatur leisten sollte.

Organisationsform

Das Seminar bereitet auf die am 18. Juni beginnenden Poetikvorlesungen von Maxim Biller vor – anhand einer gemeinsamen Analyse ausgewählter Werke per Referat und Diskussion. Der Besuch der Poetikvorlesungen am 18.6., 25.6., 2.7. ist Pflicht. Ein weiteres Ziel des Seminars ist die Vorbereitung des Seminargesprächs mit Maxim Biller am 27.06. Die Werke Maxim Billers sind ab den Wintersemesterferien im Hand-Apparat der Seminarbibliothek zugänglich.
Um eine Anmeldung per e-mail (michaela.kopp-marx@gs.uni-heidelberg.de) bis zum 16.04.2017 wird gebeten, um den Seminarplan vorab zuschicken zu können.
Das Seminar ist als wöchentliches Blockseminar an zwei aufeinander folgenden Tagen Di., 14.15-15.45 in PB SR 224 und Mi. 14.15-15.45 in PB SR 123 konzipiert. Beginn ist Mi., 30.05.2017.

Literatur:

Maxim Biller: Bernsteintage. Erzählungen (2004); ders.: Liebe heute. Short Stories (2007); ders.: Der gebrauchte Jude. Ein Selbstporträt (2009); ders.: Biografie. Roman (2016); ders.: 100 Zeilen Hass (2017).

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 3.1 Hauptseminar NDL: Literaturgeschichte (9 LP)
BA B 3.2 Hauptseminar NDL: Literaturgeschichte/Literaturtheorie/Editionswissenschaft/Literaturkritik (9 LP)
BA B 3.3 Hauptseminar NDL: Literaturgeschichte/Poetologie/Literaturtheorie/Editionswissenschaft (9 LP)

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Oberseminar Lit. 2: Neuere deutsche Literatur nach dem Naturalismus (10 LP)
MA Vertiefungsmodul – Vorlesung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Editionsphilologie (4 LP)
MA Vertiefungsmodul – Oberseminar Lit. 1: Neuere deutsche Literatur (Vertiefungsmöglichkeit Poetologie) (10 LP)
MA Vertiefungsmodul – Oberseminar Lit. 2: Neuere deutsche Literatur (Vertiefungsmöglichkeit Kulturgeschichte) (10 LP)
MA Kompaktmodul – Oberseminar Lit.: Neuere deutsche Literatur mit Vertiefungsmöglichkeit in Poetologie oder Kulturgeschichte (10 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Hauptseminar: Hausarbeit

Lehramt (neu)

B 1: Aufbaumodul: Hauptseminar Literaturwissenschaft: Humanismus bis Gegenwart/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (9 LP)
B 2: Vertiefungsmodul: Hauptseminar Neuere deutsche Literaturwissenschaft: Humanismus bis Gegenwart: 9 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF)

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