Druckansicht

Sprachwissenschaftliches Proseminar
Übung
ÜK: Lektürekurs
Dr. Tina Theobald

Sprachliches Handeln und Selbstverständnis deutscher Bevölkerungsgruppen im östlichen Europa

Mo, 11:00 - 13:00
PB SR 038
Beginn: 15.10.2018

Gegenstand

Obwohl die Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Sprecher nicht an heutige oder auch historische Ländergrenzen gebunden ist, sondern sich vielmehr weltweit vollzieht, rücken die Kultur- und Kommunikationsräume außerhalb binnendeutscher Grenzen nur selten in den Fokus sprachwissenschaftlicher Forschung. Gerade in den historischen Landschaften Mittel- und Osteuropas, in denen bereits seit dem Mittelalter unterschiedliche deutschsprachige Bevölkerungsgruppen ansiedelten, spielte die deutsche Sprache über Jahrhunderte hinweg eine wesentliche Rolle in einem multikulturellen, multiethnischen und multilingualen Umfeld. Erst im Zuge der Nationalbewegungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts und der politischen Neuordnung des osteuropäischen Raums nach Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt die deutsche Sprache zugunsten der jeweiligen Landessprachen an Bedeutung zu verlieren. Davon ausgehend, dass die identitätsstiftende Funktion von Sprache in solch komplexen Gesellschaftsstrukturen besonders tragend ist, stellt sich die Frage, welche Folgen dieser zunehmende „Bedeutungsverlust“ der deutschen Sprache und Kultur innerhalb des multilingualen und -kulturellen Gefüges Mittel- und Osteuropas für ihre Sprecher und deren Identitätskonzeption(en) hat. Bekennt sich die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe nicht zuletzt wegen der gemeinsamen Sprache zum aufkeimenden Nationalsozialismus und zum Dritten Reich, das um die deutschen Minderheiten im östlichen Europa besonders wirbt, um die Zugehörigkeit des osteuropäischen Raumes zu Deutschland und somit die vermeintliche Überlegenheit des Deutschtums zu rechtfertigen? Oder distanziert sie sich von der nationalsozialistischen Ideologie und dem Herkunftsland ihrer Vorfahren trotz gemeinsamer identitätsstiftender Symbole wie der Sprache?
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, sollen anhand metasprachlicher Äußerungen unterschiedliche Konzepte der Selbst- und Fremdwahrnehmung ebenso wie unterschiedliche Identitätskonzeptionen rekonstruiert und mittels des argumentationsanalytischen Instrumentariums analysiert werden. Auch widmet sich das Seminar wort- und metaphernanalytisch der Objektsprache, da bestimmte Sprachverwendungsweisen als Erkennungszeichen für bestimmte Denk- und Wertehaltungen, für gesellschaftliches Wissen und politische Einstellungen gelten.

Organisationsform

Gemeinsame Lektüre, Impulsreferate, Dozentenvortag, Gruppenarbeit und Plenumsgespräch.

Einführende Literatur:


Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)
BA B 2.2 Übung (Lektürekurs): 3 LP
BA B 2.3 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgesch. (6 LP)
BA B 2.4 Lektürekurs NDL/Linguistik/Mediävistik (3 LP)
BA ÜK B Lektürekurs: je nach Arbeitsaufwand 1-3 LP

Master

1. Linguistik (Ling.)

MA Grundlagenmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Wissen und Text (6 LP)
MA Kompaktmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen; wahlweise: Wissen und Text (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 3/a: Vertiefungsmodul: Proseminar Germanistische Sprachwissenschaft: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)
A 3/a: Lektürekurs: Germanistische Sprachwissenschaft: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF)
C 1/a: Ergänzungsmodul: Lektürekurs Sprachwissenschaft: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF / BF + K/M)

Druckansicht