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Übung
ÜK: Lektürekurs
Felix Stang

Erzählte Welten. Einführung in die Erzähltextanalyse und die Erzähltheorie am Beispiel des ‚Iwein‘ Hartmanns von Aue

Blockveranstaltung: 17.11.2018
PB SR 123
Beginn: 15.10.2018

Gegenstand

Der Mensch ist ein Tier, das Geschichten erzählt – der Begriff des „homo narrans“ (Walter Fisher) beschreibt den Menschen als Wesen, das sich seine Welt durch das Erzählen glaubhafter Geschichten zusammenwebt und darum grundsätzlich und schon immer in Geschichten verstrickt ist. Das Erzählen ergänzt damit, wie Albrecht Koschorke in seiner Erzähltheorie ‚Wahrheit und Erfindung‘ (2012) zusammenfasst, den Gedanken der „unhintergehbaren Sprachlichkeit des menschlichen Weltzugangs durch ein Modell der narrativen Organisation dieses Bezugs“ (Koschorke 2012, S. 10). Die Kompetenz, solche für den menschlichen Zugang zur Welt zentralen narrativen Äußerungen auf ihre Funktionsweisen hin zu analysieren, ist eine der wichtigsten Zuständigkeitsbereiche der Literaturwissenschaft.

Das methodische Besteck zur Analyse erzählender Texte – gemeint sind Konzepte wie das einer ‚Erzählinstanz‘, erzählter ‚Figuren‘, der ‚Fokalisierung‘, der Unterscheidung zwischen ‚Erzählzeit‘ und ‚erzählter Zeit‘ usw. usf. – gehört im Studium der Germanistik in den Bereich der Einführungen. Nicht immer bleibt den Studierenden dabei die Zeit, über die Grundlagen dieser Grundlagen gründlich nachzudenken, genauer: die Anwendung des erzähltheoretischen Werkzeugkastens, den jede*r Germanist*in bei sich tragen sollte, einzuüben, seine Funktionalität auch in Bezug auf (etwa mittelalterliche) Texte zu testen, für die dieses Werkzeug ursprünglich nicht entwickelt wurde, und die Denkrichtung kennen zu lernen, aus der es entstand (vornehmlich dem Strukturalismus).

Diese Übung hat darum zum Ziel, diesen so wichtigen Werkzeugkasten der Erzähltheorie zu sortieren, auszuprobieren, vielleicht sogar ein wenig abzustauben sowie seine Herkunft und Herstellungsgeschichte etwas besser kennen zu lernen. Am Beispiel eines mittelhochdeutschen ‚Klassikers‘, der für diese Zwecke Material in großer Fülle bietet – der Artusroman ‚Iwein‘ Hartmanns von Aue –, werden wir gemeinsam die Grundlagen der Erzähltextanalyse wiederholen und uns in ihrer sicheren Anwendung einüben, das methodische Besteck dabei mithilfe einschlägiger Forschungsliteratur gründlich durchdenken und reflektieren, uns mit den Ursprüngen der zum Standard gewordenen Erzähltheorie in der Denkrichtung des ‚Strukturalismus‘ auseinandersetzen und uns dabei auch mit den Besonderheiten einer Narratologie beschäftigen, die mittelalterlichen Texten gerecht werden will.

Sie müssen zur Teilnahme an dieser Übung keinesfalls schon Expert*in der Erzähltextanalyse sein, skeptische Anfänger*innen sind so willkommen wie eingespielte Profis – Voraussetzung zur Teilnahme an dieser Übung ist eine interessierte Bereitschaft zur Lektüre theoretischer Texte und eine Freude am kritischen Denken! Ich freue mich auf Ihre Teilnahme und spannende Diskussionen.

Organisationsform

Bitte lesen Sie bis zu Semesterbeginn bereits Hartmanns ‚Iwein‘ und wiederholen Sie für sich die grundlegenden Begriffe der Erzähltextanalyse nach Martinez/Scheffel (s.u.).

Die Übung wird nur bis Ende Dezember in wöchentlichen Sitzungen stattfinden und darum durch eine etwa 3-stündige Blocksitzung am Samstag, den 17.11.2018, ergänzt. Ab Januar findet die Veranstaltung also nicht mehr statt.

In den einzelnen Sitzungen werden wir vor allen Dingem im Plenum über theoretische Ansätze und entsprechende Forschungsbeiträge diskutieren. Ergänzt werden die Plenumsdiskussionen durch kleinere Beiträge durch Expert*innengruppen für einzelne Sitzungen.

Textgrundlage und einführende Literatur:

Hartmann von Aue, Iwein. 4. überarbeitete Auflage. Text der siebenten Ausgabe von G. F. Bennecke, K. Lachmann und L. Wolff. Übersetzung und Nachwort von Thomas Cramer, Berlin/ New York 2001 (De Gruyter).

Matias Martinez / Michael Scheffel, Einführung in die Erzähltheorie, München 2008.

Armin Schulz, Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin 2015.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Übung (Lektürekurs): 3 LP
BA B 2.4 Lektürekurs NDL/Linguistik/Mediävistik (3 LP)
BA ÜK B Lektürekurs: je nach Arbeitsaufwand 1-3 LP

Lehramt (neu)

A 3/b: Lektürekurs: Ältere deutsche Philologie: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF)
C 1/c: Ergänzungsmodul: Lektürekurs Mediävistik: 3 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF / BF + K/M)

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