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Literaturwissenschaftliches Proseminar
(auch EPG II)
Jonathan Ries

Religion(en): Christen, Juden, Moslems, Ketzer und Heiden in der deutschen Literatur des Mittelalters

Do, 14:15 - 15:45
PB SR 123
Beginn: 15.10.2018

Gegenstand

Von Friedrich Max Müller, dem Begründer der Religionswissenschaft als Universitätsfach, Indologen und Sprachwissenschaftler stammt der Ausspruch: „Wer eine kennt, kennt keine.“ Bezug seiner These ist Religion. Wer erkennen möchte, was es mit einer Religion auf sich hat, muss sich auch mit anderen Religionen beschäftigen, da anders schon das Erkennen der einen scheitert. Müller verweist damit auf die Vernetzung des Untersuchungsbereiches und auf ein Erkennen, das ausschließlich in der Beachtung von Verhältnissen funktionieren kann.
In der deutschen Literatur des Mittelalters findet man eine rege Beschäftigung mit Religion und Religionen. Das Interesse an anderen Formen resultiert allerdings selten aus reiner wissenschaftlicher Neugierde. Häufig impliziert die eigene Religion einen ausschließlichen Wahrheitsanspruch und verbindet sich mit der Abwertung dessen, was nicht der eigenen Vorstellung entspricht. Indem beispielsweise Gîburc (Christ) im „Willehalm“ zu ihrem Vater Terramêr (Moslem) sinngemäß sagt: „Gleichen eure Götter dem, der den Wind regiert und alles, was er macht, so kunstvoll fügt, der die Quellen sprudeln lässt?“, vergleicht sie die Macht des eigenen Gottes mit der Ohnmacht und Schwäche der anderen Götter und versichert sich damit, auf der richtigen Seite zu stehen.
Die Benennung des Fremden als Götzendienst (Götzenpolemik), Häresie oder Heidentum definiert dasselbe und gibt damit der eigenen Position die Möglichkeit sich als Teil der einen wahren Religion zu definieren und seinen Anspruch zu legitimieren. Neben der scharfen Abgrenzung (Beispiel: Christentum und Islam im Willehalm) kann dann aber auch die dominante Religion mit Elementen konfrontiert werden, die in anderen religiösen Vorstellungen wurzelt. Mitunter bleibt es dann bei einer unkommentierten Zusammenstellung (Beispiel: Christentum und pagane Elemente im Nibelungenlied).
Ziel des Seminars ist es sich die unterschiedlichen Techniken der Zuschreibung und die daraus resultierenden Verhältnisse anzusehen, um dadurch einen Einblick in die Absichten zu gewinnen, die in den jeweiligen Texten (epische Texte, Kreuzzugslyrik, Predigten, Heiligenlegenden) vorhanden sind.

Organisationsform

Plenumsdiskussionen, Expertengruppen, Essays

Textgrundlage und einführende Literatur:

Wird in der ersten Sitzung bekannt gegeben.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

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