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Literaturwissenschaftliches Proseminar
(auch EPG II)
Dr. Björn Spiekermann

Die „Stunde Null“. Schreiben nach der Katastrophe

Do, 11:15 - 12:45
PB SR 123
Beginn: 18.10.2018

Gegenstand

Das Seminar dient zur Einführung in die deutschsprachige Literatur und Kultur der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945-1950). Die oft kritisierte Formel „Stunde Null“ dient dabei nicht als zwingende Deutungsvorgabe, sondern als offene Frage: Inwiefern kann von einem radikalen Neubeginn gesprochen werden und inwiefern werden nicht auch jüngere oder ältere Traditionen fortgesetzt? Es schrieb ja nach 1945 nicht nur eine jüngere Generation (Aichinger, Andersch, Borchert, Böll, Dürrenmatt, Grass u.a.), sondern ebenso ältere, gut etablierte Autoren wie Thomas Mann, Gottfried Benn, Bertolt Brecht, Hermann Hesse oder Ernst Jünger. Nicht wenige Schriftsteller, die sich dem Nazi-Regime offen angedient hatten, versuchten überdies, wieder im bürgerlichen Literaturbetrieb Fuß zu fassen. Ein gewisser Bruch bestand auch zwischen Vertretern der Exilliteratur und und ihren Kritikern.

Schließlich aber gab es ganz verschiedene Möglichkeiten, mit dem Schrecken der Nazizeit und des Weltkriegs umzugehen: Während sich einige Autoren zu einem entpolitisierten Literaturverständnis bekannten, riefen andere zur moralisch-politischen Neuorientierung auf. Dem Versuch, sich auf eine Tradition der deutschen Humanität (Lessing, Goethe, Schiller) zu besinnen, stand die Perspektive eines übernationalen Europäertums gegenüber. Und neben der Auslotung existenzieller Grundfragen und menschlicher Abgründe lebte zeitgleich der Humor eines Erich Kästner oder des jungen Johannes Mario Simmel.

Aus dieser Sicht erscheint die „Stunde Null“ als eine Phase des reichhaltigen und oft auch spannungsvollen Nebeneinanders. Im Seminar wird es daher auch nicht so sehr darum gehen, die frühe Nachkriegsliteratur auf einen einfachen Nenner zu bringen (z.B. „Trümmerliteratur“), sondern sie in ihren durchaus verschiedenen Facetten wahrzunehmen. Dazu sollen Texte aus allen poetischen Gattungen (Lyrik, Epik, Dramatik), aber auch Sachtexte, insbesondere Essays aus Zeitschriften der Zeit, gelesen und gemeinsam diskutiert werden.

Organisationsform

Vorbereitende Lektüre und gemeinsame Plenumsdiskussion. Die Bereitschaft zur Beteiligung und zur Übernahme von Kurzreferaten wird vorausgesetzt.

Einführende Literatur:

Hinweise zur Sekundärliteratur werden zu Seminarbeginn gegeben.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar NDL: Naturalismus bis Gegenwart 6 LP
BA B 2.2 Proseminar NDL: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Literaturgeschichte (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie 6 LP

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)
MA Kompaktmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Literaturwissenschaft: Naturalismus bis Gegenwart 6 LP

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