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Literaturwissenschaftliches Proseminar
Michael Ott

Mittelalterliche Erzählwelten

Mo, 16:15 - 17:45
PB SR 122
Beginn: 15.04.2019

Gegenstand

Erzählwelten sind überall – und ihre Komplexität scheint zugenommen zu haben, nicht zuletzt dank der vielfältigen Medienkonstellation der Gegenwart. Mit all den Verästelungen der erzählten Welten von »Star Wars« und »Game of Thrones«/»A Song of Ice and Fire« (um nur zwei Beispiele zu nennen) kennen sich nur noch wenige derjenigen ExpertInnen aus, die gemeinhin Fans heißen. Parallel zu den groß angelegten Erzählwelten der Gegenwart hat auch die (vor allem englischsprachige) Forschungsliteratur zugenommen, die sich dem Phänomen widmet. Im Seminar werden wir dies nutzen und uns vor allem anhand neuerer Forschungsbeiträge mit mittelalterlichen Erzählwelten befassen, mit der Artus-Welt beispielsweise, der Tristan-Welt, der Parzival-Welt oder auch der Welt der Heldenepik. Vor dem Hintergrund der Frage, ob und inwieweit uns neuere Ansätze zu Erzählwelten bei unserer Beschäftigung mit älteren Texten behilflich sind, werden wir dann Funktionsweisen und Grundlagen ausgewählter Welten herausarbeiten. Dabei könnte sich zeigen, dass wir bisher zu sehr auf einzelne Texte fokussiert waren und dabei gar nicht wirklich begriffen haben, dass viele mittelalterliche Texte an übergreifenden Erzählwelten (mit)arbeiten. Wenn dem so sein sollte, wäre möglicherweise die traditionelle Annahme narrativer Geschlossenheit des Einzeltextes ebenso in Frage zu stellen wie eine (historische) Narratologie, die ihre Werkzeuge auf Einzeltextanalysen ausgerichtet hat. Daraus würden sich dann wiederum Fragen ableiten lassen, die auf die Funktion einer mittelalterlichen Erzählkultur zielen, die es darauf anlegt, ausgedehnte virtuelle Welten zu schaffen.

Organisationsform

Bitte überlegen Sie sich für die allererste Sitzung, in und mit welcher Erzählwelt Sie sich besonders gut auskennen. Es muss sich dabei nicht um eine mittelalterliche Erzählwelt handeln: Wenn Sie Goethe-ForscherIn, Harry-Potter-ExpertIn oder Game-of-Thrones-Fan sind, ist das auch völlig in Ordnung.

Für die Seminarteilnahme werden außer der »Einführung in die Mediävistik« keinerlei Vorkenntnisse benötigt. Im Plenum werden wir (auch anhand von englischsprachigen Forschungsbeiträgen) gemeinsam diskutieren, wodurch sich Erzählwelten auszeichnen und nach welchen Kriterien man sie analysieren kann. Am Beispiel der Parzival-Erzählwelt werden wir dann unser theoretisches Wissen erproben. Anschließend werden sich verschiedene Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Erzählwelten beschäftigen und ihre Ergebnisse zum Ende des Semester präsentieren. Als Leistungsnachweis verfassen Sie eine Hausarbeit beziehungsweise legen eine mündliche Prüfung ab (je nach Modul).

Einführende Literatur:

Zu Beginn des Semesters wird die seminarbegleitende Forschungsliteratur zur Verfügung gestellt. Einen guten Einstieg in das Thema bietet Mark J. P. Wolf: Building Imaginary Worlds. The Theory and History of Subcreation. New York/London 2012. Von Mark J. P. Wolf wurde jüngst auch ein »Routledge Companion to Imaginary Worlds« herausgegeben; ich hatte das Buch noch nicht in der Hand, aber das Inhaltsverzeichnis sieht vielversprechend aus.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

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