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Hauptseminar
Oberseminar
Priv.-Doz. Dr. Andrea Lehr

Die Verrohung der Sprache - ein aktueller Diskurs aus sprachwissenschaftlicher Sicht
The brutalisation of the language – a current discourse from a linguistic point of view

Blockveranstaltung: Sa. 9.11.19, 7.12.19 und 11.1.20
PB SR 137
Beginn: 09.11.2019

Gegenstand

Seit mehreren Jahren wird in den Medien beklagt, dass mit dem Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen ein anderer Ton in die Politik Einzug gehalten hat und Tabubruch gezielt als politisches Mittel eingesetzt wird. Von der Verrohung der Sprache ist vielerorts die Rede. Auch jenseits des politischen Sprachgebrauchs wird dieses Thema zunehmend erörtert. So prangern Lehrerinnen- und Lehrerverbände den zunehmend rauen Ton auf den Schulhöfen an und Psychotherapeuten wollen gegen die Verrohung der Sprache in vielen Bereichen des Lebens angehen, indem sie mehr über die Folgen aggressiver Kommunikation aufklären. Doch so nachvollziehbar dieser vielfältige Diskurs ist, aus sprachwissenschaftlicher Hinsicht tun sich eine ganze Reihe von Fragen auf, denen wir im Seminar nachgehen wollen: Was genau ist unter „Verrohung der Sprache“ zu verstehen? Geht es um einzelne Phänomene des Sprachgebrauchs oder um eine Veränderung der deutschen Gegenwartssprache insgesamt? Gibt es objektive Kriterien, „verrohte“ Sprache, „verrohten“ Sprachgebrauch zu identifizieren? Lässt sich aus linguistischer Sicht sprachlichen Gegebenheiten überhaupt eine solche Eigenschaft zuschreiben? Oder sind schlicht die Menschen verroht, die Sprache gezielt in solch missbräuchlicher Form verwenden? Und verrohen wir selbst, wenn wir vulgäre verhetzende, menschenverachtende Ausdruckweisen - zum Beispiel in Songtexten - goutieren oder diese gedankenlos übernehmen? Reicht es vielleicht bereits, wenn wir ihnen allzu häufig ausgesetzt sind und sie irgendwann nicht mehr als auffällig empfinden? Im Seminar werden wir am Ende zu der altbekannten, nach wie vor höchst strittigen Frage gelangen, ob Sprache die Macht hat, die Welt zu verändern.

Wichtig: Zur Aufnahme in den Seminarverteiler schicken Sie bitte nach erfolgreicher SignUp -Anmeldung eine E-Mail an andrea.lehr.ffm@t-online.de.

Organisationsform

Einführung der Dozentin, Plenumslektüre und -gespräche, Projektarbeit in Kleingruppen, Kurzreferate.

Einführende Literatur:

Aptum Themenheft: Wahlkampfsprache 2017 (2018). Hrsg. von Jürgen Schiewe; Martin Wengeler. Bremen (Aptum 14, H. 1).

Girnth, Heiko (2015): Sprache und Sprachverwendung in der Politik: Eine Einführung in die linguistische Analyse öffentlich- politischer Kommunikation. 2., überarb. und erw. Aufl. Berlin. Boston, Mass. (Germanistische Arbeitshefte, Band 39).

Kilian, Jörg; Thomas Niehr (2016): Sprachkritik. Ansätze und Methoden der kritischen Sprachbetrachtung. 2., überarb. Aufl. Berlin. Boston, Mass. (Germanistische Arbeitshefte Band 43).

Lakoff, George; Elisabeth Wehling (2009): Auf leisen Sohlen ins Gehirn. Politische Sprache und ihre heimliche Macht. 2., aktualisierte Aufl. Heidelberg.

Niehr, Thomas (2014): Einführung in die Politolinguistik: Gegenstände und Methoden. Stuttgart.

Niehr, Thomas; Jana Reissen-Kosch (2018): Volkes Stimme?: Zur Sprache des Rechtspopulismus. Berlin.

Texte zur Sprachkritik und Sprachreflexion (2015). Hrsg. von Jürgen Schiewe; Jörg Klilian; Thomas Niehr. Stuttgart (Reclams Universal-Bibliothek 19348).

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 3.1, BA B 3.2, BA B 3.3 Hauptseminar Linguistik: 9 LP

Master

1. Linguistik (Ling.)

MA Grundlagenmodul – Oberseminar Ling. 1: Lexikon – Grammatik – Weltkonstitution (diachron und synchron) (10 LP)
MA Kompaktmodul – Oberseminar Ling.: Lexikon – Grammatik – Weltkonstitution (diachron und synchron) (10 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Hauptseminar: Hausarbeit

Lehramt (neu)

B 1: Aufbaumodul: Hauptseminar Germanistische Sprachwissenschaft: 9 LP

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