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Vorlesung
PD Dr. Bernhard Walcher

Intermediale Allianzen. Literatur und Bildende Kunst von der Aufklärung bis zur Moderne

Mi, 11:15 - 12:45
Kstr. 16 HS 007
Beginn: 16.10.2019

Gegenstand

In seiner ausgesprochen populär gewordenen, breit rezipierten Schrift Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie (1766), fordert der Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing die strikte Trennung der beiden Künste Malerei und Poesie. Das seit der Antike lebendige und fruchtbare Mit- und Nebeneinander von Kunst und Literatur – das sich im Diktum ut pictura poesis von Horaz verdichtet –, hat nach Lessing allerdings kaum an Intensität eingebüßt oder Schaden genommen. Im Gegenteil. Trotz des je nach Epoche unterschiedlich bewerteten Verhältnisses von Malerei und Dichtung kann festgehalten werden, dass sich das Verhältnis von Kunst und Literatur gerade nach Lessings Streitschrift kontinuierlich bis ins 19. und 20. Jahrhundert hinein durch ein reges Beziehungsgeflecht aus (gegenseitiger) Indienstnahme, Auseinandersetzung und Bezugnahme auszeichnet – und zwar in ganz verschiedenen Textsorten wie Gedichten und Briefen, erzählenden und programmatischen Texten oder auch Dramen.
Ziel der Vorlesung ist es, Ziel ist es, Ausformungen, Wandlungen und Funktionszusammenhänge der „wechselseitigen Erhellung der Künste“ (Oskar Walzel) am Beispiel deutschsprachiger Texte aus allen Gattungen von der Aufklärung bis ins frühe 20. Jahrhundert im Spannungsfeld von Kunsttheorie, Kunstliteratur und Kunstgeschichte darzustellen und daneben auch Grundlagen der Intermedialitätsforschung vorzustellen. Anhand exemplarischer Texte, Konstellationen und Rezeptionszusammenhänge soll ein querschnittartiger Überblick zu den wichtigsten Texten und literarisierten Künstlern (Albrecht Dürer, Michelangelo, Raffael, Tizian, Matthias Grünewald, Arnold Böcklin, Vincent van Gogh) und Kunstwerken (Sixtinische Madonna, Mona Lisa) vermittelt werden. Behandelt werden Texte aller Gattungen u.a. von Lessing, Karl Philipp Moritz, August Wilhelm Schlegel, Theodor Fontane, Conrad Ferdinand Meyer, Stefan George, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Sigmund Freud, Gottfried Benn und Heinrich Mann


Organisationsform

Frei zugängliche Vorlesung

Einführende Literatur:

- Fix, Ulla, Hans Welllmann (Hg.): Bild im Text – Text im Bild. Heidelberg 2000 (Sprache – Literatur und Geschichte. Studien zur Linguistik/Germanistik, Bd. 20).
- Fliedl, Konstanze, Marina Rauchenbacher, Joanna Wolf (Hg.): Handbuch der Kunstzitate. Malerei, Skulptur, Fotografie in der deutschsprachigen Literatur der Moderne. 2 Bde. Berlin, Boston 2011.
- Kepler-Tasaki, Stefan und Wolf Gerhard Schmidt (Hg.): Zwischen Gattungsdisziplin und Gesamtkunstwerk. Literarische Intermedialität 1815–1848. Berlin, München, Boston 2015 (Spectrum Literaturwissenschaft, Bd. 48).
- Robert, Jörg: Einführung in die Intermedialität. Darmstadt 2014 (Einführungen Germanistik).
- Weisstein, Ulrich (Hg.): Literatur und bildende Kunst. Ein Handbuch zur Theorie und Praxis eines komparatistischen Grenzgebietes. Berlin 1992.


Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/b Vorlesung: 2 LP
BA B 2.4 Vorlesung NDL/Linguistik/Mediävistik (2 LP)

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Vorlesung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (4 LP)
MA Vertiefungsmodul – Vorlesung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Editionsphilologie (4 LP)
MA Kompaktmodul – Vorlesung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (4 LP)

Lehramt (neu)

C 1/b: Ergänzungsmodul: Vorlesung Neuere Deutsche Literaturwissenschaft: 4 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF) bzw. 2 LP (in: EF + BF)

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