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Literaturwissenschaftliches Proseminar
Laura Velte

Oswald von Wolkenstein

Mi, 16:15 - 17:45
PB SR 122
Beginn: 16.10.2019

Gegenstand

Das Proseminar widmet sich Oswald von Wolkenstein (1377–1445), dem „vielleicht bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker zwischen Walther von der Vogelweide und Goethe“ (Ulrich Müller). Sein Œuvre umfasst rund 130 Lieder sowie einige Reimpaarverse und mutet im Umgang mit traditionellen literarischen Motiven und Formen geradezu modern an. Zwei im Auftrag von Oswald angefertigte Handschriften geben Einblick in ein umfassendes Repertoire, das Pastourellen, Trink-, Reise-, Minne- und Tagelieder neben Kalendermerkgedichten, politischer wie auch geistlicher Lyrik versammelt. Darin verweist das Sprecher-Ich an vielen Stellen explizit auf eigene biographische Erfahrungen, ja inszeniert sich selbst in seinen disparaten Rollen als Raubritter, Weltenbummler, reumütiger Büßer oder geplagter Ehemann. Diese subjektiv und individualistisch anmutende Selbstdarstellung ist vielfach als renaissancehaft bewertet worden. Hinweise auf das Leben des Südtirolers finden sich jedoch nicht nur in seiner Dichtung, sondern auch in zahlreichen historischen Zeugnissen; insgesamt sind mehr als 1000 Quellen mit seinem Namen verbunden. So mag es auch nicht verwundern, dass die Frage nach dem Verhältnis von Fiktionalität und Realität in der Forschung über Jahrzehnte kontrovers diskutiert wurde.
Im Seminar wollen wir uns einen Überblick über Oswalds Werk verschaffen und es im Kontext der deutschsprachigen und europäischen Dichtung des Spätmittelalters verorten. Dafür werden wir eine repräsentative Auswahl seiner Lieder im Kurs diskutieren und durch weitere Texte ergänzen, die zu einem besseren Verständnis der (synchronen wie diachronen) Entwicklung einzelner Liedtraditionen beitragen können. Wie etwa unterscheiden sich Oswalds Tagelieder von denen des hohen Minnesangs? Handelt es sich bei seinen Minneliedern noch um Rollenlyrik oder lassen sie sich gar als eine Art vormoderne Erlebnisdichtung beschreiben? An welche geistlichen Liedtraditionen knüpft Oswald an? Welche Spannungen werden in seinen Kreuzungen von Marien- und Minneliedern erzeugt? Schließlich wollen wir auch einen Blick auf die musikalische Seite werfen und überlegen, wie sich die zahlreich überlieferten Melodien fruchtbar in die Textinterpretation miteinbeziehen lassen.

Organisationsform

Erwartet wird die regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar. Neben der gemeinsamen Diskussion im Plenum, bringen sich alle TeilnehmerInnen mit einem Impulsreferat und einem Essai oder Exzerpt in die laufende Kursarbeit ein. Das Seminar kann mit einer mündlichen Prüfung oder einer schriftlichen Hausarbeit abgeschlossen werden.

Textgrundlage und einführende Literatur:

Oswald von Wolkenstein: Die Lieder, hrsg. v. Karl Kurt Klein, 4. grundl. neu bearb. Aufl. v. Burghart Wachinger. Berlin/Boston 2015(ATB 55).

Johannes Spicker: Oswald von Wolkenstein - Die Lieder. Berlin 2007 (Klassiker Lektüren 10).

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

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