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Literaturwissenschaftliches Proseminar
(auch EPG II)
Dr. Christoph Roth

Mittelalterliche Jenseitsvision: Albers ‚Tnugdalus‘

Mi, 9:15 - 10:45
PB SR 123
Beginn: 22.04.2020

Gegenstand

Mitte des 12. Jahrhunderts wurde in Regensburg die lat. ‚Visio Tnugdali‘ verfasst. Die darauf fußenden deutschen Übersetzungen und Bearbeitungen bilden die umfänglichste Gruppe volkssprachlicher Jenseitsvisionen. Gegenstand des Seminars ist die Versfassung, die um 1190 in der niederbayrischen Prämonstratenserabtei Windberg von einem Priester Alber erstellt wurde. „Held“ der Dichtung ist der Ritter Tnugdalus/ Tundalus (oder besser gesagt seine Seele), der/ die während eines dreitägigen Scheintodes in einer peregrinatio animae („Seelenreise“) Himmel und Hölle bereist. Nach seinem Wiedererwachen wendet er sich von seinem bisherigen Wandel ab und einem geistlichen Leben zu. Von besonderem Interesse sind die dabei entwickelten Jenseitsvorstellungen, die Kritik am ritterlichen Leben üben und auch die Art der Darstellung, mittels derer es Alber versteht, das Erzählte auf die Zuhörer auszurichten und sie so zur bezzerunge des eigenen Lebens aufzufordern.

Organisationsform

Voraussetzung ist die erfolgreiche Teilnahme an einer Einführung in das Mittelhochdeutsche. Im Seminar stellen die Teilnehmer ihre Analysen und Deutungsvorschläge zu einzelnen Passagen des ‚Tnugdalus‘ im Plenum zur Diskussion.
Die schriftliche Ausarbeitung des Referatthemas in einer Hausarbeit oder (je nach Modulwahl) eine mündliche Abschlussprüfung ermöglicht den Erwerb eines Proseminarscheines.

Textgrundlage und einführende Literatur:

Textgrundlage: A. Wagner (Hg.), Visio Tnugdali, 1882, S. 119-186. Literatur: Wiebke Freytag, Alber, in: 2VL 1 (1978), Sp.108-111; Nigel F. Palmer, ‚Tundalus‘, in: 2VL 9 (1995), Sp. 1142-1146; ders. ‚Visio Tnugdali‘. The German and Dutch Translations and their Circulation in the Later Middle Ages (MTU 76), 1982; ders. Illustradet Printed Editions of the Visions of Tondal, in: TH. Kren, Margeret of York, Simon Marmion and The Visions of Tondal from the Late Fifteenth and Sixteenth Centuries, Malibu/California 1992, S. 157-170; E. Peters, Quellen und Charakter der Paradiesesvorstellungen in der deutschen Dichtung vom 9. bis 12. Jh., 1915; S. 123, 134; E. Schröder, Die Überlieferung von Albers Tundalus, ZfdA 72 (1935), S. 249-254; H.-W. Rathjen, Die Höllenvorstellungen in der mittelhochdeutschen Literatur, Diss. masch., Freiburg i.Br. 1956; Brigitte Pfeil, Die ‚Vision des Tnugdalus‘ Albers von Windberg, Frankfurt/Berlin/Bern/Bruxelles/NewYork/Wien 1999 (Mikrokosmos. Beitrr. zur Literaturwiss. und Bedeutungsforschung 54); Maximilian Benz: Gesicht und Schrift. Die Erzählung von Jenseitsreisen in Antike und Mittelalter, Berlin/ New York 2013



Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

Master Literatur - Sprache - Wissen

Grundlagenmodul 2: Forschungswerkstatt / Übung / Proseminar Mediävistik (6 LP)
Vertiefungsmodul 3: Forschungswerkstatt / Übung / Proseminar Mediävistik (6 LP)

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