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Hauptseminar
Oberseminar
Prof. Dr. Heidrun Kämper

Sprachgebrauch 1933 bis 1945 (Verschoben auf das WS 2020/21)

Fr, 9:00 - 11:00
Kstr. 2 SR 004
Beginn: 24.04.2020

Gegenstand

In sozialgeschichtlicher Sicht ist die Zeit des Nationalsozialismus ein aus mindestens drei Faktoren bestehendes kommunikatives System: 1. der charismatischen Herrschaft Hitlers einschl. der umgebenden Funktionsträger (SS, SA, Gestapo, NS-Apparat); 2. der die „Konsensbasis“ (Wehler) herstellenden, Zustimmung erteilenden, gleichgültig bleibenden oder stumm dissidenten integrierten Gesellschaft; 3. derjenigen, die die NS-Herrschaft zu Feinden (Carl Schmitt) erklärt und als volksfremd, als undeutsch aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen und diskriminiert hat (politische Opposition, Dissidenten, Juden, Sinti und Roma, Kirchenleute, Homosexuelle etc.).

Organisationsform

Grundidee des Seminars ist es, diese Struktur in sprachpragmatischer Hinsicht nachzuvollziehen. Dabei gehen wir konkret solchen Fragen nach, die zentrale Aspekte von Sprachgebrauch 1933 bis 1945 zum Gegenstand haben, wie z.B.

• Welche Sprachhandlungsmuster sind kennzeichnend für die Akteure?
• Mit welchem sprachlichen Inventar kodieren die Akteure Emotionen?
• Wie nehmen die Akteure sprachlich auf Zeit in den drei Dimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Bezug?
• Mit welchen sprachlichen Inklusions- und Exklusionsstrategien schaffen die Akteure Gemeinschaft?

Basis zur Beantwortung von Fragen wie diesen, die in gemeinsamen Datensitzungen erarbeitet werden, sind entsprechende zeitgenössische Texte, das Seminar hat also einen starken empirischen Akzent.

Vorbereitet wird die Empiriephase durch die Klärung und theoretische Fundierung zentraler Analyseaspekte: Akteursspezifik; Inklusion / Exklusion; Textfunktionen / Textsorten; Nomination – Prädikation; Sprache und Emotion; Sprachliche Deontik.

Das Seminar ist für das Seniorenstudium geeignet und für das Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaften anrechenbar.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit, schriftliche Hausarbeit.

Das für das Sommersemester 2020 vorgesehene linguistische Haupt-/Oberseminar von Prof. Heidrun Kämper findet nicht statt. Es wird auf das Wintersemester 2020/21 verschoben. Alle angemeldeten Studierenden können problemlos in eines der anderen Haupt-/Oberseminare der Linguistik wechseln.

Einführende Literatur:

Braun, Christian A. (2007): Nationalsozialistischer Sprachstil. Theoretischer Zugang und praktische Analysen auf der Grundlage einer pragmatisch-textlinguistisch orientierten Stilistik. Heidelberg: Winter.

Dieckmann, Walther 2007: ‚Belastete Wörter’ als Gegenstand und Resultat sprachkritischer Reflexion. Plädoyer für einen veränderten Umgang mit einem Aspekt der ‚Vergangenheitsbewältigung‘. In: Dieckmann, Walther 2012: Wege und Abwege der Sprachkritik. Bremen, 148-162.

Klemperer, Viktor 2001 [1947]: LTI. Notizbuch eines Philologen. 19. Aufl. Leipzig.

Polenz, Peter von (1999): Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band III 19. und 20. Jahrhundert. Berlin, New York. Kap. 6.8 M-O, S. 312-317

Polenz, Peter von (1999): Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band III 19. und 20. Jahrhundert. Berlin, New York. Kap. 6.16, N-S: Weimarer Republik und Nationalsozialismus. S. 545-555

Sauer, Christoph 2003: Rede als Erzeugung von Komplizentum. Hitler und die öffentliche Erwähnung der Judenvernichtung. In: Josef Kopperschmidt (Hg.): Hitler der Redner. München, S. 413-440.

Schmitz-Berning, Cornelia 1998: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin/New York.

Sternberger, Dolf/ Gerhard Storz/ W.E. Süskind 1986: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen. Neue erweiterte Ausgabe mit Zeugnissen des Streites über die Sprachkritik. Frankfurt a.M./ Berlin.

Stötzel, Georg 1995: Der Nazi-Komplex. In: Georg Stötzel/Martin Wengeler u. a.: Kontroverse Begriffe. Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin / New York, S. 355-382.

Wehler, Hans-Ulrich 2003: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Vierter Band. Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914-1949. (Neunter Teil: Charismatische Herrschaft und deutsche Gesellschaft im „Dritten Reich“ 1933-1945) München.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 3.1, BA B 3.2, BA B 3.3 Hauptseminar Linguistik: 9 LP

Master

1. Linguistik (Ling.)

MA Grundlagenmodul – Oberseminar Ling. 1: Lexikon – Grammatik – Weltkonstitution (diachron und synchron) (10 LP)
MA Grundlagenmodul – Oberseminar Ling. 2: Bedeutung – Begriff – Konzept (10 LP)
MA Vertiefungsmodul – Oberseminar Ling. 1: Wissensformate, Wissenstransfer, Wissenskommunikation (10 LP)
MA Vertiefungsmodul – Oberseminar Ling. 2: Textstrukturen und Textkulturen (10 LP)
MA Kompaktmodul – Oberseminar Ling.: Lexikon – Grammatik – Weltkonstitution (diachron und synchron) (10 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Hauptseminar: Hausarbeit

Lehramt (neu)

B 1: Aufbaumodul: Hauptseminar Germanistische Sprachwissenschaft: 9 LP

Master of Education

Hauptseminar Linguistik (Wahlpflichtmodul): 7 LP

Master Literatur - Sprache - Wissen

Grundlagenmodul 1: OS 1 Linguistik: Lexikon – Grammatik – Weltkonstitution (10 LP)
Vertiefungsmodul 1: OS 2 Linguistik: Bedeutung – Begriff – Konzept
Vertiefungsmodul 1: OS 2 Linguistik / Mediävistik / NDL
Vertiefungsmodul 2: OS 3 Linguistik: Wissensformate
Vertiefungsmodul 2: OS 3 Linguistik / Mediävistik / NDL
Vertiefungsmodul 3: OS 4 Linguistik: Textstrukturen und Textkulturen (10 LP)
Vertiefungsmodul 3: OS 4 Linguistik / Mediävistik / NDL

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