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Vorlesung
(auch EPG II)
Prof. Dr. Dieter Borchmeyer

Jüdisch-deutsche Kulturbeziehungen

Mi, 19:00-21:00
Mi, 19:00-21:00
NUni HS14
Beginn: 07.12.2011

Gegenstand

Heidelberger Vorträge zur Kulturtheorie
Jüdisch-deutsche Kulturbeziehungen von Moses Mendelssohn bis Martin Buber

Auf der Geschichte der Juden in Deutschland lastet so sehr der Schatten von Auschwitz, daß vielfach nicht mehr wahrgenommen wird, wie sehr diese Geschichte Teil der deutschen Geschichte ist, daß sie lange – trotz vielfältiger Gegenschläge – auch eine Erfolgsgeschichte war. Sind doch die deutschen Juden seit ihrer Emanzipation im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts - an deren Beginn Moses Mendelssohn gewissermaßen als Ur-Vater der jüdisch-deutschen Kulturgeschichte steht – mit der Ausbildung des deutschen Bürgertums schöpferisch verbunden gewesen. Gerade die politische, soziale, ökonomische und kulturelle ,Verspätung’ des deutschen gegenüber dem gemeineuropäischen Bürgertum ermöglichte es den Juden, an der Emanzipation auch des deutschen Bürgertums mitzuwirken, sich in ihr zu spiegeln, seinen emanzipatorischen Kultur- und Bildungsbegriff zu verinnerlichen. So entstand eine in ihrer Eigenart einzigartige – wenn auch immer wieder vom Scheitern bedrohte - ,Parallelaktion’ deutscher und jüdischer Bildungsgeschichte, wie sie in den anderen europäischen Nationen, deren Identität sich längst vor der Emanzipation der Juden ausgebildet und verfestigt hatte, in dieser Form nicht möglich war. Es ist unhistorisch, diese Parallelgeschichte immer nur als Vorgeschichte der Judenverfolgung und –vernichtung seit 1933 zu sehen, zu behaupten, daß die jüdische ,Assimilation’ (ein problematischer Begriff, der den Schwerpunkt der jüdischen Emanzipationsgeschichte von ihrer Parallelität und Dialogizität mit der deutsch-bürgerlichen zu einer vermeintlichen Anpassungsgeschichte hin verschiebt) von vornherein auf ihr apokalyptisches Scheitern hin angelegt war. Gegen diese falsche Teleologie setzt sich diese Vorlesung zur Wehr. Sie sucht die jüdisch-deutsche Bildungsgeschichte zwischen den beiden Eckdaten der Bibelübersetzung Mendelssohns – der sich vornahm, seine des Deutschen noch nicht mächtigen Glaubensbrüder in hebräischer Schrift an die deutsche Sprache heranzuführen – und Martin Bubers – der seine der Originalsprache der Bibel nicht mehr mächtigen jüdischen Mitbürger über ein vom hebräischen Urtext her aufgebrochenes Deutsch wieder an die Sprachgewalt dieses Urtextes heranführen wollte – zu sichten. Zwei jüdisch-deutsche Bibelübersetzungen mit antipodischer Zielrichtung rahmen also die jüdisch-deutsche Kulturgeschichte ein. Deren Spuren, ihrem Licht wie ihren Schatten sucht die Vorlesung in exemplarischen Fallstudien nachzugehen.


Organisationsform

Wieder werden die „Heidelberger Vorträge zur Kulturtheorie“ durch Referate und Gespräche mit prominenten Gästen sowie Gesprächskonzerte bereichert. Das genaue Programm wird gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit durch Aushang und im Internet bekanntgegeben. Diese Vorlesung ist auch für den Erwerb eines EPG II-Scheins geeignet.

Einführende Literatur:


Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/b Vorlesung: 2 LP

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Vorlesung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (4 LP)
MA Vertiefungsmodul – Vorlesung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Editionsphilologie (4 LP)
MA Kompaktmodul – Vorlesung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (4 LP)

Lehramt (neu)

C 1/b: Ergänzungsmodul: Vorlesung Neuere Deutsche Literaturwissenschaft: 4 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF) bzw. 2 LP (in: EF + BF)

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