Druckansicht

Hauptseminar
Oberseminar
Prof. Dr. Tobias Bulang

Tierkunde im Mittelalter

Di, 9:15 - 10:45
PB SR 122
Beginn: 18.10.2022

Gegenstand

Ohne das tierkundliche Wissen der Bauern, Jäger, Fischer und Metzger hätten die Menschen des Mittelalters ihr Zeitalter nicht überlebt. In die Schriftlichkeit findet dieses dominant mündlich tradierte Wissen freilich erst spät, in der gelehrten Naturkunde dominiert über lange Zeit das Wissen der Theologen. Sie verbinden mit der Natur besondere Konzepte und Interessen. Als vollkommen aus dem Wort des Schöpfers hervorgegangene Welt, die allenthalben Auskunft über das Heil bietet, als Gegenstand der Exegese natürlicher Dinge in der Heiligen Schrift, als Option paränetischer Wissensvermittlung anhand von naturkundlichen Allegorien in der Predigt erfolgt eine sehr spezifische Appropriation der Natur. Zugleich sind Natur- und mithin auch Tierkunde der Kleriker alles andere als homogen. Neben schöpfungstheologischen Vorstellungen und exegetischen Reflexionen koexistiert vom Sprachbefund ausgehende etymologische Sinnbildungen (Isidor-Rezeption). Geistliche Naturkunde ist zugleich Medium der Rezeption antiker Naturkunden und der Aufwände der Integration dieser (mitunter inkompatiblen) Wissensbestände. Mit dem Aristotelismus des 13. Jahrhunderts wird eine Naturwissenschaft relevant, die Natur als autochthonen Raum des Wirkens der Ursachen und der Prozesse des Werdens und Vergehens fasst und die mehr oder minder manifest Spannungen zu einem Schöpfungsverständnis aufweisen kann.
Das Seminar unternimmt Lektüren der für die mittelalterliche Tierkunde prägenden Texte (in Übersetzungen) und wendet sich sodann deutschsprachigen Texten des Mittelalters und der frühen Neuzeit zu. Die Texte werden vor Beginn des Semesters auf Moodle bereitgestellt und sind für die einzelnen Sitzungen vorzubereiten. Für die erste Sitzung machen sich die Teilnehmenden mit den beiden biblischen Schöpfungsberichten vertraut und lesen zur Vorbereitung einschlägige Artikel aus theologischen Kompendien zum Thema.

Organisationsform

gemeinsame Lektüre und Übersetzung, intensive Diskussion, Impulsreferate, Moderation einzelner Sitzungen durch Studierende, gemeinsame Lektüre spätmittelalterlicher Fachliteratur, Übung zur Textsorte Kommentar

Einführende Literatur:


Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 3.1 Hauptseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (9 LP)
BA B 3.2, BA B 3.3 Hauptseminar Mediävistik: mittelalterl. Literatur (9 LP)

Master

3. Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (MA/FNZ)

MA Grundlagenmodul – Oberseminar MA/FNZ 1: Mittelalter (10 LP)
MA Vertiefungsmodul Mittelalter – Oberseminar: Mittelalter (10 LP)
MA Kompaktmodul – Oberseminar MA/FNZ: Literatur des Mittelalters oder der Frühen Neuzeit (10 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Hauptseminar: Hausarbeit

Lehramt (neu)

B 1: Aufbaumodul: Hauptseminar Mediävistik: 9 LP (in: HF / HF+K/M / EF+HF)

Master Editionswissenschaft

Basismodul II 3 – Hauptseminar: Textkritik älterer Texte (4 LP)

Master of Education

Hauptseminar Mediävistik (Wahlpflichtmodul): 7 LP

Master Literatur - Sprache - Wissen

Grundlagenmodul 1: OS 1 Mediävistik (10 LP)
Vertiefungsmodul 1: OS 2 Mediävistik
Vertiefungsmodul 1: OS 2 Linguistik / Mediävistik / NDL
Vertiefungsmodul 2: OS 3 Mediävistik
Vertiefungsmodul 2: OS 3 Linguistik / Mediävistik / NDL
Vertiefungsmodul 3: OS 4 Mediävistik (10 LP)
Vertiefungsmodul 3: OS 4 Linguistik / Mediävistik / NDL

Druckansicht