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Tatjana Geschwill

Purismus und Sprachgesellschaften
Linguistic purism and language academies

Do, 09.15-10.45
Kstr. 2 SR 004
Beginn: 19.04.2012

Gegenstand

Während die Verteidigung der Muttersprache gegenüber fremdsprachlichen Einflüssen im 17. und 18. Jahrhundert noch als ein sprachliches Entwicklungsstadium, als ein Schritt auf dem Weg zu einer Literatur- und Nationalsprache im Kontext des Kulturpatriotismus gewertet werden kann, steht im 19. und 20. Jahrhundert nicht mehr die Auseinandersetzung mit dem Fremden zur Weiterentwicklung des Eigenen, sondern die völlige Abwehr und Ausmerzung alles Fremdsprachlichen im Mittelpunkt.
Sprachpuristen wie Schottelius und von Zesen befinden sich -trotz maßloser Übertreibung bezüglich der Wertigkeit der deutschen Sprache- erst am Anfang eines Weges, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Entstehung und Etablierung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins sowie der Institutionalisierung des Purismus im deutschen Sprachchauvinismus mündet. Politische und sprachliche Einheit stellen nun nicht mehr Ziel, sondern Ausgangspunkt der puristischen Bemühungen dar. Grundgedanke ist die unmittelbare Beeinflussung des Denkens und Lebens durch die Sprache, wobei der Fremdwortgebrauch als Gefahr für die vereinte Nation, als Zeichen nationaler Stumpfheit und mangelnden Nationalbewusstseins gesehen wird (Kirkness 1998).
Bezeichnet sich der Allgemeine Deutsche Sprachverein nach der Machtübernahme durch die NSDAP noch als die „SA unserer Muttersprache“, findet er 1940 auf Hitlers Erlass ein jähes Ende. Gründe für das Wirken und den Untergang des Fremdwortpurismus unter Hitler sowie die Weiterentwicklung von Purismus und Sprachgesellschaften bis in das heutige Zeitalter werden Themen der Sitzungen sein.
Beginnend mit dem Sprachpurismus im Barockzeitalter im Rahmen eines umfassenden Bildungsprogramms, wird die Geschichte der Sprachgesellschaften bis in die heutige Zeit sowie der tatsächliche Beitrag puristischer Bemühungen zur Sprachentwicklung im Mittelpunkt des Seminars stehen.

Organisationsform

Referate, Textarbeit, Diskussion

Einführende Literatur:

Bekanntgabe in der ersten Sitzung

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Linguistik: Mittel der Kommunikation/Sprachgesch. (6 LP)

Master

1. Linguistik (Ling.)

MA Grundlagenmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen (6 LP)
MA Kompaktmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen; wahlweise: Wissen und Text (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 3/a: Vertiefungsmodul: Proseminar Germanistische Sprachwissenschaft: Mittel der Kommunikation/Sprachgeschichte (6 LP)

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