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Dr. Jost Eickmeyer

Medien des Scharfsinns im Barock: Emblematik und Epigrammatik

Mo, 16:15-17:45
PB SR 122
Beginn: 16.4.2012

Gegenstand

Seit der Antike gilt das Epigramm als Gattung scharfsinnigen, oftmals satirischen oder streitaren Dichtens. Im Barock erlebten sowohl diese poetische Gattung eine Hochzeit als auch das komplexe Text-Bild-Ensemble des Emblems, wie es in zahlreichen Emblembüchern seit dem sechzehnten Jahrhundert verbreitet war. Im Embelm wurden politische, zeitgeschichtliche aber auch theologische und der Andachtspraxis zugehörige Inhalte (im wahrsten Sinne des Wortes) sinnfällig gemacht. So übte es eine wichtige Funktion für die lebenspraktische Bewältigung der Zeit, die Reflexion historischer Zustände (etwa des Dreißigjährigen Krieges) und eine innovative Bildkunst aus. Epigramme bildeten dabei meist das textliche Element dieser mischform aus „sprechenden Bildern“ und „sichtbaren Worten“, die im Seminar aus der Perspektive von Bild- und Texhermeneutik sowie vor dem Hintergrund zeitgenössischer Emblem- und Epigrammtheorien (Jacob Masen) interpretiert werden sollen.
Ausgehend von der antiken Epigrammatik Martials ist die Ausweitung der Gattung im Barock an diversen Epigrammsammlungen etwa Friedrich von Logaus oder des Angelus Silesius zu verfolgen, während der poetische und philosophische Scharfsinn des Emblems anhand zahlreicher Beispiele aus großen Emblembüchern der Zeit (Johannes Sambucus, Julius Wilhelm Zincgref, „Imago primi Saeculi Societatis Jesu“) herusgearbeitet werden soll.
Kunsthistoriker sind herzlich willkommen.

Organisationsform

Referate; gemeinsame Bild- und Text-Deutung samt Diskussion im Plenum

Textgrundlage und einführende Literatur:

Textgrundlage (zur Anschaffung!):
Martial: Epigramme. Lat./Dt. Ausgew., übers. u. hg. v. Niklas Holzberg. Stuttgart: Reclam 2008 (RUB 18544).
Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann: Kritische Ausgabe, hg. v. Louise Gnaedinger Stuttgart: Reclam 1984 (RUB 8006)

Einführende Literatur:
Peter Hess: Epigramm. Stuttgart: Metzler 1989 (Sammlung Metzler 248)
W. Harms, G. Heß, D. Peil, J. Donien (Hg.): SinnBilderWelten. Emblematische Medien in der frühen Neuzeit. Ausstellungskatalog. Bayerischen Staatsbibliothek, München 1999.
Albrecht Schöne: Emblematik und Drama im Zeitalter des Barock. München: Beck 1993
Carsten-Peter Warncke: Sprechende Bilder – Sichtbare Worte. Das Bildverständnis in der frühen Neuzeit. Wiesbaden: Harrassowitz 1987 (Wolfenbütteler Forschungen 33).

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Proseminar NDL: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Literaturgeschichte (6 LP)

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)
MA Kompaktmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 3/c: Vertiefungsmodul: Proseminar Neuere deutsche Literaturwissenschaft: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)

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