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(auch EPG II)
Ricarda Wagner

Monster des Mittelalters
Monsters of the Middle Ages

Fr, 11:15 - 12:45
PB SR 122
Beginn: 19.04.2013

Gegenstand

Einen modernen Besucher der Kathedrale Notre Dame in Paris mögen besonders ihre unzähligen gargoylischen Kapitellfiguren und monströs-teuflischen Wasserspeier verwundern; eine solche „Galerie lächerlicher Ungeheuer“ in und an eigentlich Gott geweihten Bauwerken irritierte auch den mittelalterlichen Theologen Bernard de Clairvaux. Aber nicht nur bauwerklich, sondern auch textuell sind die Monster des Mittelalters allgegenwärtig: Riesen, Zwerge, Kopffüßler und viele weitere deformierte Gestalten bevölkern nicht nur die Romanliteratur; sie werden ebenso in weltwissensvermittelnden Texten wie Chroniken, Naturkunden und Reiseberichten vorgestellt und besonders häufig an den Enden der Welt verortet.
Das lateinische Wort ‚monstrum‘, etymologisch verwandt sowohl mit ‚monstrare‘ (zeigen) als auch mit ‚monere‘ (mahnen), definiert Monster als verstehbare Mahnzeichen. Die auch literarisch imaginierten Ungeheuer des Mittelalters weisen also auf etwas hin. In diesem Proseminar möchten wir erkunden, wie und – wenn feststellbar - worauf. Als Untersuchungsmaterial herangezogen werden dazu sowohl Texte mit ‚Monstern um uns‘ (Romane wie „Herzog Ernst“ und „Apollonius von Tyrus“, Heldenepen wie der altengl. „Beowulf“, Naturkunden und Bestiarien wie der „Physiologus“, diverse Hagiographien und Reiseberichte) als auch Texte mit ‚Monstern in uns‘ (z. B. die Waldmenschen im „Iwein“ und die Wolfsmenschen im „Bisclavret“ von Marie de France). Ebenso sollen bildliche Quellen wie Miniaturen in Handschriften und Weltkarten Anstoß geben zu Reflexionen über Körperlichkeit und ‚das Andere‘ in Texten des Mittelalters.
Ziel des Seminars ist also neben der Erkundung von vormodernen Monstrositätsdarstellungen auch ein allgemeiner Einblick in die spannende Textvielfalt der mittelalterlichen Literatur.

Organisationsform

- Individuelle Auseinandersetzung mit mittelalterlichen Texten und Sekundärliteratur über häusliche Lektüre und das Verfassen von kurzen Essays
- Gemeinsame Auseinandersetzung mit den Texten in Plenumsdiskussionen
- Kurze Impulsreferate zur Information über verschiedene Textsorten und Begriffe und zum Kennenlernen wichtiger mediävistischer Nachschlagewerke
- Abschluss des Proseminars mit einer schriftlichen Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung

Textgrundlage und einführende Literatur:

Ein Reader mit den Textgrundlagen für jede Sitzung wird zu Beginn des Semesters bereit gestellt.
Bitte wählen Sie aber nach der Zuweisung über SignUp ein (antikes, mittelalterliches oder modernes) Monster aus Film, Literatur oder bildender Kunst aus, das Sie fasziniert, und bringen Sie eine Abbildung oder Beschreibung davon in die erste Sitzung des Proseminars mit.

Einen sehr unterhaltsamen Einstieg in das Feld der Monster-Studien vom Mittelalter über viktorianische Vampire bis zu „Jurassic Park“ bietet Jeffrey Jerome Cohen (Hrsg.), Monster Theory, Minneapolis 1996.
Verschiedene mittelalterliche Texte und ihre Monstrositäten werden analysiert in Bettina Bildhauer und Robert Mills (Hrsg.), The Monstrous Middle Ages, Cardiff 2003.
Einen Einblick in das bildliche Material liefert Alixe Bovey, Monsters & Grotesques in Medieval Manuscripts, London 2002.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.2 Proseminar Mediävistik: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Mediävistik: klass. mhd. Literatur (6 LP)
A 3/b: Vertiefungsmodul: Proseminar Ältere deutsche Philologie: zweite ältere Sprachstufe/klass. mhd. Literatur, komplementär zu A 2 (6 LP)

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