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Dr. Heiko Ullrich

Deutsche Lehrdichtung des 18. Jahrhunderts

Mo, 18:15 - 19:45
PB SR 038
Beginn: 15.04.2013

Gegenstand

Das Lehrgedicht steht mit Hesiods „Werken und Tagen“ sowie seiner „Theogonie“ mit an der Wiege der abendländischen Literatur, in der römischen Antike stellt es eine der wichtigsten Gattungen überhaupt dar und wird von zentralen Werken wie Lukrezens „De rerum natura“ und den „Georgica“ Vergils repräsentiert. Insbesondere diese beiden Werke werden in der deutschsprachigen Literatur der Aufklärung breit rezipiert und tragen so zu einem Höhepunkt der Gattung in dieser Epoche bei. Im Vergleich zum Lehrgedicht des Barock wie beispielsweise Martin Opitzens „Zlatna“ entdecken die Texte von Autoren wie dem Schweizer Albrecht von Haller und dem Hamburger Barthold Heinrich Brockes neue Themen wie die (zivilisationskritische) Naturbetrachtung oder die Zentralthemen der aufklärerischen Philosophie. Wie andere Formen der didaktischen Literatur – genannt sei hier vor allem die Fabel – steht das Lehrgedicht damit im Zentrum eines Literaturverständnisses, das sich zeittypisch in erster Linie der Wissensvermittlung verschreibt und die ästhetische Form dieser Wirkungsabsicht unterordnet. Daraus ergibt sich mit der Gleichsetzung von Poetik und Rhetorik nicht nur eine Anknüpfung an die Vorgänger aus der Epoche des Barock, sondern auch an die antike Ausprägung des Lehrgedichts als hybride Gattung, die anschauliche Darlegung des Gegenstandes, direkte Handlungsanweisung und auflockernde Erzählung (die sogenannten „schönen Stellen“) miteinander verbindet. Im Seminar sollen anhand ausgewählter Texte der beiden genannten Dichter die wichtigsten Charakteristika des aufklärerischen Lehrgedichts herausgearbeitet werden.

Organisationsform

Gemeinsame Textinterpretation und Kurzreferate der studentischen Teilnehmer

Textgrundlage und einführende Literatur:

Textgrundlage:
Barthold Heinrich Brockes: Irdisches Vergnügen in Gott. Naturlyrik und Lehrdichtung. Ausgewählt und herausgegeben von Hans-Georg Kemper, Stuttgart: Reclam (RUB 2015) 1999.
Albrecht von Haller: Die Alpen und andere Gedichte. Auswahl und Nachwort von Adalbert Elschenbroich, Stuttgart: Reclam (RUB 8963) 1965.
Einführende Literatur:
Albertsen, Leif Ludwig: Lehrdichtung. In: Ulfert Ricklefs (Hg.): Das Fischer Lexikon: Literatur. Bd. 2. Frankfurt a. M. 1996, S. 937-960.
Kühlmann, Wilhelm: Lehrdichtung. In: Harald Fricke (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. II. Berlin/New York ³2007, Sp. 393b-397b.
Siegrist, Christoph: Lehrdichtung. In: Ralph-Rainer Wuthenow (Hg.): Zwischen Absolutismus und Aufklärung: Rationalismus, Empfindsamkeit, Sturm und Drang 1740-1786. Reinbek bei Hamburg 1980 (= Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte 4), S. 219-233.

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Proseminar NDL: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Literaturgeschichte (6 LP)

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)
MA Kompaktmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 3/c: Vertiefungsmodul: Proseminar Neuere deutsche Literaturwissenschaft: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)

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