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Dr. Jost Eickmeyer

Arkadien, Wein und Liebe – Bukolik und Anakreontik von der Antike bis ins achtzehnte Jahrhundert
Arcadia, Vine and Love: Pastoral and Anacreontic Poetry form Antiquity to the Eighteenth Century

Do, 11:15 - 12:45
PB SR 123
Beginn: 17.10.2013

Gegenstand

Nicht nur Götter, Helden und Kriege wurden in antiker Dichtung besungen. Geradezu im Gegenteil gab es auch Gattungen, die zwischen epischer und dramatischer Ausdrucksform das alltägliche Leben einfacher Hirten poetisierten (Bukolik) oder Geselligkeit, Wein und Liebe in lyrischen Formen feierten (Anakreontik). Ausgehend von den antiken Hauptvertretern dieser Richtungen, neben Anakreon selbst v.a. Theokrit und Vergil als Bukoliker, soll das Seminar das intensive und wandlungsreiche Fortleben dieser Dichtungsarten in der deutschen Literatur der Neuzeit nachzeichnen: von den ersten modernen, realistischen oder allegorisierenden, Aneignungen der Bukolik in Humanismus und Barock (Eobanus Hessus, Opitz, Fleming, Spee u.a.), teils in lat., teils in dt. Sprache, bis zu den Transformationen des Genres in Zeiten von Aufklärung und Sturm und Drang (Gessner, Wieland, Goethe, Maler Müller u.a.); von den ersten Versuchen, anakreontische Lyrik formal und inhaltlich ins Deutsche zu bringen (Johannes Aurpach und Johann Engerd) bis zur Blütezeit anakreontischen Geselligkeitskultes im achtzehnten Jahrhundert (Hagedorn, Gleim, Uz u.a.).
Dabei soll neben der Gattungsgeschichte selbst, die ab und zu auch einen Ausblick in andere europäische Literaturen bieten wird, v.a. interpretatorischen Fragen nachgegangen werden. Etwa wie in den zunächst lyrisch-bukolischen Texten, zu denen in der Frühen Neuzeit auch dramatische und prosaische Untergattungen hinzutreten, womöglich spielerische Gegenwelten oder alternative Strukturen zur „großen Welt“, zum Heroischen, zur Stadtkultur u.ä. entworfen werden; oder inwieweit sich der private Geselligkeitsraum der Anakreontik im achtzehnten Jahrhundert als Rückzugsort vor den politisch-höfischen Sphären und ihren Umbrüchen lesen lässt.

Kenntnisse in Latein und Altgriechisch sind willkommen aber keine zwingende Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar. Alle antiken Texte werden auch in Übersetzung behandelt werden.

Organisationsform

Referate und gemeinsame Interpretation und Diskussion im Plenum

Es handelt sich um ein interdisziplinäres Seminar in Zusammenarbeit mit PD Dr. Lothar Willms (Seminar für Klassische Philologie).

Textgrundlage und einführende Literatur:

Textgrundlage:
Görgemanns, Herwig (Hg.): Die griechische Literatur in Text und Darstellung. Bd. 1: Archaische Periode. (2. Aufl.) Stuttgart: Reclam 1998, S. 428–445 (Anakreon).
Theokrit. Gedichte. Griechisch–deutsch. Hg. und übers. von Bernd Effe. Darmstadt: WBG 1999 (Sammlung Tusculum).
P. Vergilius Maro: Bucolica – Hirtengedichte. Lateinisch–deutsch. Übersetzung, Anmerkungen, interpretierender Kommentar und Nachwort von Michael von Albrecht. Stuttgart: Reclam 2001.
Wieland, Christoph Martin: Musarion oder Die Philosophie der Grazien. Ein Gedicht in drei Büchlein. Hrsg., Erl. u. Nachw. v. Alfred Anger. Stuttgart: Reclam 1986.

– Weitere neuzeitliche Texte werden zu Beginn des Seminars in Form eines Readers zur Verfügung gestellt.

Einführende Literatur:
Effe, Bernd / Gerhard Binder: Antike Hirtendichtung. Eine Einführung. (2. Aufl.) Düsseldorf / Zürich: Artemis und Winkler 2001.
Garber, Klaus (Hg.): Europäische Bukolik und Georgik. Darmstadt: WBG 1976 (Wege der Forschung 355).
Garber, Klaus: Wege in die Moderne Historiographische, literarische und philosophische Studien aus dem Umkreis der alteuropäischen Arkadien-Utopie. Berlin et al.: de Gruyter 2012.
Iser, Wolfgang: Das Fiktive und das Imaginäre. Perspektiven literarischer Anthropologie. Frankfurt a.M. 1993 (s2. Aufkl. 2001), S. 60-158 („Renaissancebukolik als Paradigma literarischer Fiktionalität“)

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.2 Proseminar NDL: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar NDL: Literaturgeschichte (6 LP)

Master

2. Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Lit.)

MA Grundlagenmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte oder Poetologie oder Literaturtheorie oder Editionsphilologie (6 LP)
MA Kompaktmodul – Proseminar/Forschungswerkstatt/Übung Lit.: Literaturgeschichte (vom Humanismus bis zur Gegenwart) (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 3/c: Vertiefungsmodul: Proseminar Neuere deutsche Literaturwissenschaft: Humanismus bis Realismus/Poetologie/Literaturtheorie/Editionsphilologie (6 LP)

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