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Dr. Herbert Schmidt
Dr. Herbert Schmidt

Fremdwort und Fremdwortlexikographie

Mi, 18.15 - 19.45
Kstr. 2 SR 004
Beginn: 13.04.2011

Gegenstand

Als Fremdwörter werden im deutschen Sprachraum herkömmlicherweise die aus anderen Sprachen entlehnten Wörter bezeichnet, denen man (im Gegensatz zu den lautlich/morphologisch stärker assimilierten Lehnwörtern) ihre Herkunft aus einer Fremdsprache noch deutlich anmerkt. Sie wurden seit dem Mittelalter in mehreren Schüben aus unterschiedlichen Gebersprachen ins Deutsche übernommen und besaßen von Anfang an einen lexikalischen Sonderstatus, der zu allen Zeiten kontrovers bewertet wurde. Einerseits lassen Fremdwörter ihren Benutzer gebildet, gelehrt, weltläufig und sprachmodisch auf der Höhe der Zeit erscheinen, andererseits gelten sie in Aussprache oder Flexion als schwierig, schwerverständlich und elitär. Die Einstellung gegenüber Fremdwörtern reicht von freudiger Akzeptanz bis zur Stigmatisierung; die einen heißen sie willkommen als "liebe Gäste aus der Fremde", die mittlerweile heimisch und unverzichtbar geworden sind, die Puristen aber betrachten sie als gefährliche Eindringlinge und bliesen (und blasen) immer wieder einmal zur Fremdworthatz. In keiner anderen europäischen Sprache gibt es ein vergleichbar ambivalentes Verhältnis zu einem Teil des eigenen Lehnwortschatzes, nur in Deutschland, dem "Land der Fremdwörterbücher" (von Polenz), wird seit vielen Jahrhunderten dieser Teil des Wortschatzes lexikographisch in einem eigenen besonderen Wörterbuchtyp interniert.
Im Seminar soll zunächst geklärt werden, wie Fremdwörter lexikologisch zu beschreiben sind und wie (und ob) sie sich gegenüber Lehn- und "Erbwörtern" abgrenzen lassen. Welche kommunikativen Funktionen erfüllen Fremdwörter, welche Einstellungen gegenüber Fremdwörtern dominieren heute? Danach verschaffen wir uns einen Überblick über die Geschichte der Fremdwortentlehnung seit dem Mittelhochdeutschen sowie die Geschichte des Purismus seit den Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts. Im zweiten Teil des Seminars untersuchen wir eine Auswahl historischer und moderner Fremdwörterbücher hinsichtlich ihrer Struktur, ihres Zielpublikums und ihrer lexikographischen Funktion, nicht zuletzt unter der Fragestellung, ob sich daraus Rückschlüsse auf die jeweils zugrundeliegende Fremdworteinstellung ziehen lassen.

Organisationsform

Nach den ersten Sitzungen, die einem allgemeinen Einstieg ins Thema dienen, werden von Teilnehmern in Kurzreferaten bestimmte Themen, Texte bzw. Wörterbücher vorgestellt und anschließend gemeinsam besprochen.
Grundlage für die Benotung ist die schriftliche Fassung des Referats bzw. eine schriftliche Hausarbeit von 20-30 Manuskriptseiten.

Literatur:

C. J. Wells: Deutsch: eine Sprachgeschichte bis 1945. Tübingen 1990 (S. 284-317; 414-428)
Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band III: 19. und 20 Jahrhundert. Berlin, New York 1999 (S. 264-293; 391-411)
Gerhard Stickel (Hg.): Neues und Fremdes im deutschen Wortschatz. Aktueller lexikalischer Wandel. Berlin, New York 2001 (Beiträge von Munske, Gardt, Wiegand, Kirkness, Eisenberg)

Studiengänge und Module

Bachelor

BA B 2.1/a Proseminar Linguistik: Sprache als System (6 LP)
BA B 2.3 Proseminar Linguistik: Sprache als System (6 LP)

Master

1. Linguistik (Ling.)

MA Grundlagenmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen (6 LP)
MA Vertiefungsmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Wissen und Text (6 LP)
MA Kompaktmodul – Forschungswerkstatt/Übung Ling.: Sprache und Erkennen; wahlweise: Wissen und Text (6 LP)

Magister und Lehramt (alt)

Mag und LA (alt) Proseminar: Hausarbeit oder mündliche ZP

Lehramt (neu)

A 2: Basismodul Proseminar Sprachwissenschaft: Sprache als System (6 LP)

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