Literaturgeschichtliches Proseminar
Reents


Geschichte der Literaturkritik
BA B2.2; BA B2.3
Mag, LA, BA

Do 9.00-11.00
Beginn: 18.10.2007
PB SR 123


Gegenstand:
In dem zweistündigen Seminar, wird an ausgewählten Fallbeispielen die Geschichte und Entwicklung der Literaturkritik erarbeitet. Die Literaturkritik ist keine Erfindung der Moderne, sondern geht in ihren Ursprüngen über die Zeit des Humanismus bis in die Antike zurück und erfuhr ihre entscheidende Wendung von der philologischen Kritik (Textkritik) zur Beurtheilungs-Kunst 1730 durch Gottsched. Seine Konzeption bestimmt die Vorstellungen der Literaturkritik bis heute, verbunden mit den Problemen, die sich ergaben durch Verabschiedung der Regelpoetik, die Einsicht in die historische Bedingtheit des ästhetischen Empfindens und Urteilens sowie das Gewahrwerden der Partikularität der bürgerlichen Öffentlichkeit. Wir verfolgen im Seminar die Entwicklung der Literaturkritik von Lessing bis heute: Ausgehend von Lessings Verabschiedung der Regelpoetik und Bildung neuer Kriterien sowie Herders historische und genetische Betrachtungsweise und Friedrich Schlegels Vorstellung von Kritik als Verbindung zwischen Historie und Philosophie folgen wir der Entwicklung der Literaturkritik in der Aufklärung, in der der Kritiker als Sprecher und Anwalt des Publikums auftrat und eine Politisierung der Kritik zu beobachten ist. Mitte des 19. Jahrhunderts erfährt die Kritik eine Re-Literarisierung und Versachlichung, neben das Wahre, Schöne und Gute wird als Gegenstand von Kunst (und somit auch von Kritik) das Hässliche, Verruchte und Widerliche salonfähig. Im frühen 20. Jahrhundert treten einzelne Kritikerfiguren wie Alfred Kerr und Siegfried Jakobsohn hervor. Während Kerr Kritik als eigenes Kunstwerk begreift, sieht Jakobsohn die Aufgabe von Kritik in der Veränderung der Gesellschaft. Im Sommersemester folgt die Fortsetzung des Seminars, beginnend mit Walter Benjamins Technik des Kritikers in dreizehn Thesen (1928) bis in die Debatten innerhalb des zeitgenössischen Literaturbetriebs.
Organisationsform:
Das Seminar ist Teil des neuen Studienangebots Literaturkritik, Literaturvermittlung und Literarische Wertung. Dieses richtet sich an Studierende, die über das in der Germanistik vermittelte Grundlagen- und Fachwissen hinaus, Wege in die sich ihnen bietenden Berufswelt erschließen möchten. Während für den angehenden Lehrerberuf berufsbezogenes Lernen (Fachdidaktik und Pädagogik) und Praxiserfahrung (Schulpraktika, Referendariat) selbstverständlich geworden sind, so besteht durchaus ein Manko an berufsorientiertem Praxisbezug für diejenigen Studierenden, die nicht oder nicht ausschließlich in der Wissenschaft oder in der Schule arbeiten wollen, sondern in dem immer größer werdenden Bereich des so genannten Kultur- oder Literaturbetriebs Fuß fassen möchten.
Voraussetzungen: BA B 2.2: B 1.1, B 2.1, PS Mag und LA: OP
BA B 2.3: B 1.2, PS Mag und LA: OP
Leistungsnachweis: PS Mag und LA: PS-Schein durch Hausarbeit, mündl. ZP
BA B 2.2: PS mit VL oder übung: 6 LP durch Hausarbeit und mündl. oder schriftl. Vorleistungen
BA B 2.3: 10 LP, je 5 LP in 2 Proseminaren durch Hausarbeit und mündl. oder schriftl. Vorleistungen

Einführende Literatur:
Regelmäßige Lektüre aktueller Rezensionen in den überregionalen Zeitungen (etwa FAZ, SZ, NZZ) oder Zeitschriften (etwa Literaturkritik, Literaturen, Volltext).