Sprachliche Identitätsentwürfe in der Kunstkommunikation
»Sprachliche Identitätsentwürfe in der Kunstkommunikation«
Tagung an der Universität Heidelberg vom 24.-26. Februar 2010
Organisation:
| Dr. Sandra Kluwe Telefon: 06221 / 54 3663 E-Mail: sandra.kluwe@gs.uni-heidelberg.de |
Dr. Marcus Müller Telefon: 06221 / 54 3348 E-Mail: marcus.mueller@gs.uni-heidelberg.de |
Inhaltliche Skizze
Die interdisziplinäre Tagung beschäftigt sich mit der sprachlichen Konstituierung von Identität im Reden und Schreiben über bildende Kunst: Wer kommuniziert, positioniert sich - in der Gesellschaft, sich selbst gegenüber und hinsichtlich seines Redegegenstandes. Im fachlichen, alltagssprachlichen und literarischen Reden oder Schreiben über kunstgeschichtliche Zusammenhänge, einzelne Kunstwerke oder Künstlerfiguren werden mittels einzelner Redeweisen, der Anknüpfung an spezifische Diskurse, Topoi oder literarische Motive, mittels Strategien der Beschreibung und Interpretation oder mit dem Einsatz fachlich kodierter Bewertungsmuster Kennerschaft, Kunstferne, Expertentum oder gesellschaftliches Außenseitertum indiziert. So konstituieren sich unidirektional (z. B. in schriftlichen Großtexten wie Kunstgeschichten) oder interaktional (z. B. im Gespräch zweier Museumsbesucher) soziale Gefüge als Deutungsrahmen für sprachliche Zeichen. Durch den hohen Distinktions- und Bindungswert der Kunst lässt sich auch gerade in diesem Kommunikationsbereich Einfluss auf individuelle, soziale und nationale Identitäten nehmen.
Der Literatur dient die Bildende Kunst zumeist als Medium einer produktionsästhetischen, werkästhetischen oder rezeptionsästhetischen Identitätsfindung: Es geht darum, sich der eigenen Kreativität und deren individuell-autobiographischer Determinanten im Spiegel des fremden Schaffensprozesses bewusst zu werden, also um den falliblen Prozess einer beständigen Konstruktion und Revision von Selbstbildern. Ferner geht es um technische Anregungen, wie sie von der jeweiligen Machart der Mimesis bzw. von amimetischer Referenzlosigkeit ausgehen, und es geht darum, über die - beispielsweise briefliche - Kommunikation des eigenen Kunsterlebnisses und der diesbezüglichen Evidenzerfahrungen zu einer Erneuerung der eigenen Inspiration zu gelangen.
In jedem Fall impliziert Identität Alterität, d.h. Relationalität und damit Dialogizität. Dieses grundlegende Theorem der Identitätsphilosophie validiert die neuere Sprach- und Literaturwissenschaft in Forschungsgegenständen und -methoden wie ,Intertextualität' und ,Intermedialität'. Das wohl wirkungsreichste Paradigma einer ,wechselseitigen Erhellung' von Bildender Kunst und Literatur ist die Ekphrasis, die unter dem Vorzeichen des "pictorial turn" nicht mehr als mimetisch-naive Beschreibung, sondern als potentiell verzerrende Re-Produktion angesehen werden muss. Namentlich in der Epoche der literarischen Moderne sind der Poetik der Ekphrasis Bruchstellen der Kommunikation zwischen Sender und Empfänger eingeschrieben: Im Medium der Kunst geht es also nicht nur um die oben genannte, produktionsästhetische Spiegelung von selbstgewisser Identität beim Bildschöpfer bzw. der -bildschöpferin, sondern es geht auch und gerade um den ggf. unfreiwilligen Ausdruck von "Polyphrenie" (Wolfgang Welsch) oder innerer Leere.
Die Tagung ist genuin interdisziplinär angelegt. Es treffen Perspektiven auf sprachliche Identitätsentwürfe in der Kunstkommunikation aus den Bereichen Literatur-, Sprach-, Sozial-, Kunstwissenschaft sowie der Kunstpädagogik und Kunsttherapie aufeinander.
Programm
Mittwoch, 24. Februar 2010
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14:00 Uhr |
Begrüßung und Impulsreferat |
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Aufriss der Perspektiven |
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15:00 Uhr |
Heiner Keupp (München): Identitätsarbeit in der Spätmoderne als Suche nach Kohärenz, Anerkennung und Zugehörigkeit |
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16:00 Uhr |
KAFFEEPAUSE |
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16:30 Uhr |
Ulla Fix (Leipzig): (Politische) Identität durch Sprachkunst |
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17:30 Uhr |
Andreas Gardt (Kassel): Zur Rhetorik des Kunstdiskurses |
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18:30 Uhr |
Möglichkeit zum gemeinsamen Abendessen |
Donnerstag, 25. Februar 2010
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Kommunikative Selbstentwürfe der Kunstwissenschaft |
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9:00 Uhr |
Anja Schürmann (Düsseldorf): Der Kunsthistoriker als Texter. Galeriekataloge zwischen Identifikation und Repräsentation |
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9:45 Uhr |
Jochen A. Bär (Heidelberg): Kunst als Fahnenwort der Romantiker |
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10:30 Uhr |
KAFFEEPAUSE |
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11:00 Uhr |
Gerhard Straehle (München): Der Naumburger Meister als deutscher Künstler |
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11:45 Uhr |
Anja Lobenstein-Reichmann (Trier): Der ,Rembrandt-Deutsche' |
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12:30 Uhr |
Hildegard Frübis (Berlin): Der Kunstdiskurs der jüdischen Moderne als Identitätsdiskurs: Von Rembrandt zu Max Liebermann |
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13:15 Uhr |
MITTAGSPAUSE |
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Soziale Positionierung im Sprechen und Schreiben über Kunst |
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15:00 Uhr |
Heiko Hausendorf (Zürich): Kunstkommunikation als Gegenstand der Linguistik |
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15:45 Uhr |
Ingo Warnke (Bern): Architektur als Kunst - diskurslinguistische Bemerkungen zur kommunikativen Statuierung im kulturellen Feld |
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16:30 Uhr |
KAFFEEPAUSE |
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17:00 Uhr |
Maria Peters (Bremen): Kunst und biographische Entwürfe aus kunstpädagogischer Sicht |
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17:45 Uhr |
Karin-Sophie Richter-Reichenbach (Gießen): Ästhetisch-künstlerische Identitätsarbeit aus der Sicht pädagogischer Kunsttherapie |
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18:45 Uhr |
Stadtspaziergang mit Möglichkeit zum kulinarischem Ausklang |
Freitag, 26. Februar 2010
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Intermediale Identitätsbildung in Literatur und Kunst |
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9:00 Uhr |
Peter Wagner (Landau): William Hogarths performative Identitäts- und Kunstpositionen |
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10:00 Uhr |
KAFFEEPAUSE |
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10:30 Uhr |
Carsten Dutt (Heidelberg):"...bis ins Innerste zerrissen...". Zur Darstellung des Scheiterns kunstzentrierter Identität in Wilhelm Heinrich Wackenroders "Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders" |
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11:15 Uhr |
Friederike Reents (Heidelberg): "Der Idiot von Arles". Van Gogh und die literarische Moderne |
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12:00 Uhr |
MITTAGSPAUSE |
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14:30 Uhr |
Thomas Röske (Sammlung Prinzhorn Heidelberg): Der ,Geisteskranke' als ,Bildner'. Sprachliche Identitätsentwürfe von künstlerisch tätigen Anstaltsinsassen um 1900 |
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15:15 Uhr |
Sandra Kluwe (Heidelberg): Die "Polyphrenie" einer "Conglomeratseele": Bildnerisch-textuelle Spiegelungen stigmatisierter Identität am Beispiel eines Patienten der Sammlung Prinzhorn |
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16:00 Uhr |
KAFFEEPAUSE |
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16:30 Uhr |
Podiumsgespräch mit Eduard Beaucamp (Frankfurt a. M.): Die Kunstrezeption der Avantgarde |
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17:15 Uhr |
Abschlussdiskussion |
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18:00 Uhr |
Ende der Tagung |
Abstracts
Hier finden Sie die Abstracts zu den Vorträgen (PDF, 379 KB).



