Bildung und Schule
Projekt
Für weite Bereiche der Wissensdomäne Bildung und Schule existiert keine fachsprachliche Terminologiearbeit im engeren Sinne. Die Wissensdomäne Bildung und Schule ist (fach)sprachlich vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Großereignis mit sehr unterschiedlichen Mitspielern: Schüler/innen, Lehrer/innen, Eltern, Bildungspolitiker/innen, Fachwissenschaftler/innen und Fachdidaktiker/innen der Unterrichtsfächer, allgemeine Pädagog/inn/en, Psycholog/inn/en, Berufsausbilder/innen, Lehrmeister/innen, Wirtschaftsvertreter/innen u.a. Da ist es kaum verwunderlich, dass Bildung und Schule von verschiedenen Akteuren verschiedenen wahrgenommen und entsprechend verschieden als Wirklichkeit konstituiert werden. Fachlich und gesellschaftlich umstrittene Sachverhalte in der Wissensdomäne Bildung und Schule, also solche mit Differenzen schulbezogener Weltansichten in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, sind unter anderen mit den folgenden lexikalischen Einheiten benannt und perzeptuell wie konzeptuell verknüpft:
- PISA (TIMMS, IGLU)
- Standard, Kompetenz, Aufgaben
- Wissen, Leistung(sniveau), Bildung(sniveau)
- Orthographische Kompetenz, Lesekompetenz, Schreibkompetenz, Kommunikative Kompetenz
- Schlüsselqualifikationen, Berufsfähigkeit
- Migrations-, Ausländeranteil
- Bildungsauftrag, Erziehungsauftrag
- Gewalt(prävention), Mediation
Die Arbeit in der Wissensdomäne Bildung und Schule widmet sich, zum einen, den Fragestellungen, die das Netzwerk »Sprache und Wissen« ins Zentrum seiner Arbeit stellt:
- die Frage nach »Versprachlichungsformen fachlicher Sachverhalte« auf unterschiedlichen Diskursebenen und in unterschiedlichen Sprachschichten (pädagogisch-fachsprachlich, juristisch-fachsprachlich, politisch-fachsprachlich, umgangssprachlich u.a.);
- die Frage nach der je spezifischen Gegenstandskonstitution im Rahmen der Versprachlichung;
- die Frage nach Möglichkeiten der Vermittlung zwischen den Gegenstandskonstitutionen verschiedener Diskursbeteiligter auf der Grundlage sprachwissenschaftlicher Analysen.
Die Arbeit in der Wissensdomäne Bildung und Schule befasst sich sodann, zum anderen, mit Ansätzen zur Lösung unmittelbar praxisnaher Probleme, die u.a. aufgrund unterschiedlicher Versprachlichungsformen und Gegenstandskonstitutionen entstanden sind.
Die Arbeit in der Wissensdomäne Bildung und Schule wird - gleichsam im Sinne einer angewandten Diskursforschung - deshalb ausdrücklich auch als praxisnahe Forschung zum Zweck einer Wissenstransformation und eines Wissenstransfers begriffen. Unterschiedliche Wirklichkeitskonstitutionen in der Wissensdomäne Bildung und Schule sollen linguistisch beschrieben und auf dieser Grundlage in der Praxis des jeweiligen Diskurses, bis hin zur Praxis in konkreten Diskursbereichen, zusammengeführt werden. Diese Zusammenführung macht Übereinstimmungen, aber auch Bruchstellen zwischen den Wirklichkeitskonstitutionen unterschiedlicher Diskursbeteiligter deutlich, was eine unabdingbare Voraussetzung für die Lösung von Problemen darstellt.
Sprachliche Analyseebenen der Wissensdomäne Bildung und Schule:
- Diskurs, verstanden als kommunikative Handlungskonstellation und Wissenskonstitution, abgrenzbar durch historische Zeit, Themengebundenheit und Handlungsbeteiligte, daraus ableitbar ist das jeweilige Korpus (z.B.: Themenbezug: »PISA«, z.B. Themenbezug: »Gewalt an Schulen« [vgl. Rütli-Schule], z.B. Themenbezug: »Bildungspolitik«, z.B. Themenbezug »Berufsfähigkeit«)
- Sprachhandlungsmuster (Dialog- und Textsorten), z.B.: KMK-Erlasse, Bildungspläne, wiss. Publikationen, Texte in Printmedien und online-Medien, TV-Talkshows, Unterrichtsgespräche, Gespräche auf Elternabenden u.v.a. mit jeweiligen intertextuellen Transformation (z.B. von der »Lesekompetenz«-Definition als »Reading Literacy« aus PISA 2000 über die psycholinguistische Lesekompetenzdefinition im Sinne der Propositionenbildung nach Kintsch/van Dijk bis hin zu Lesekompetenzdefinitionen in der Unterrichtspraxis)
- Diskursthemengebundene Wortschätze und Wortgebräuche, einschließlich deren varietätenspezifischen Lesarten (jur. Fachsprache, pol. Ideologiesprache, Fachsprache versch. wiss. Disziplinen, bildungspol. Umgangssprache) sowie der in lexikalische Form geronnenen Begriffe/Konzepte.
Projektziele
Die Analyse- und Beschreibungsziele der Wissensdomäne Bildung und Schule sind:- linguistische Analyse und Modellierung mündlicher wie schriftlicher beruflicher oder ausbildungsbezogener Handlungsformen sowie berufsfachsprachlicher Wortschätze
- Vergleich von tatsächlichen beruflichen Anforderungen und ausbildungsbezogenen bzw. schulischen Lehr-Lernformen
- didaktische Modellierung solcher Handlungsformen und berufsfachsprachlicher Wortschatzarbeit
- Entwicklung von Schulungs- und Fördermaterial
- Entwicklung von handlungsbezogenen Testmaterial
ProjektleitungProf. Dr. Jörg Kilian
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Fachliche KooperationspartnerProf. Dr. Birgit Brouër
Empirische Bildungsforschung in den Geisteswissenschaften |
Dr. Dina Lüttenberg
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Sandra Nitz
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