Religion

Projekt

In allen religiösen Glaubensgemeinschaften wird im Medium der Sprache Wissen unterschiedlicher Art verwaltet, bewahrt und weitergegeben - in den monotheistischen Offenbarungsreligionen (Judentum, Christentum, Islam) kommt daneben der Sprache als Wort Gottes eine herausragende Bedeutung zu. Nach biblischer Darstellung weist Gott durch Mose sein Volk Israel, Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes, und auch der Koran gilt als Gotteswort, das durch den Propheten zum Vortrag kommt. Gottes Wille und sein Wort muss von Stellvertretern verkündet und durchgesetzt werden, die ihre Legitimität aus der Berufung auf das Wort Gottes ableiten. Diese Legitimität muss immer neu bestätigt werden und wird deswegen auch häufig genug bestritten. Nicht nur direkte Konkurrenten in der Verkündigung werfen dabei u.a. die Fragen auf, wer der ›rechte‹ Gott, der ›rechte‹ Prophet und was die ›rechte‹ Sprache Gottes oder der Verkündigung sei. In den aus diesen Debatten resultierenden Konflikten wird immer um die Deutungshoheit über die Wirklichkeit und die Durchsetzung eines Weltbildes gerungen.

Seit der Reformation gibt es in Europa mit der protestantischen Kirche eine institutionalisierte Antwort auf den Anspruch der alleinigen Deutungshoheit der Katholischen Kirche - dies hat aber wohl noch keine Auswirkungen auf das Weltbild des vormodernen Europas. Erst mit der Säkularisierung sind neben die beiden Kirchen zahlreiche Instanzen getreten, die neben dem christlichen Weltbild andere Deutungen der Wirklichkeit durchsetzen - ein Signum der Moderne. Nun aber sehen sich die christlichen Kirchen vor die Herausforderungen durch den Islam gestellt, der den Anspruch auf die alleinige Deutungshoheit der Wirklichkeit nach wie vor vertritt. Auch wenn der Islam die anderen »Buch besitzenden« Religionen respektiert, belastet der Konflikt in Palästina die Beziehungen zwischen Judentum und Islam so sehr, dass die negativen Aussagen über die Juden im Koran, aus ihrem historischen Kontext herausgelöst, neu interpretiert werden. Diesen Spannungsverhältnissen und weiteren Fragen, die damit aufs Engste verknüpft sind (wie z.B. der nach der ›Renaissance der Religion‹), wird sich die Wissensdomäne »Religion« zu widmen haben. Ausgangspunkt wird dabei immer die Beobachtung und Beschreibung der Art und Weise der Wissensgenerierung, Wissensspeicherung und Wissensvermittlung mittels Sprache in Glaubensgemeinschaften und ihren Institutionen sein. In synchronen Analysen auf der einen und historischen Längsschnitten auf der anderen Seite wird im Projekt der Versuch unternommen, an »semantischen Kämpfen« innerhalb einer Glaubensgemeinschaft und zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften und der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wie mittels Sprache die Wirklichkeit gedeutet und zugleich hergestellt wird.



Projektleitung

Dr. Alexander Lasch

Anschrift:
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Germanistisches Seminar
Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft
Leibnizstraße 8
D-24118 Kiel

Telefon: 0431 / 880-3832
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Prof. Dr. Wolf-Andreas Liebert

Anschrift:
Universität Koblenz-Landau
Campus Koblenz
FB 2: Philologie / Kulturwissenschaften
Institut für Germanistik
Postfach 201 602
D-56016 Koblenz

Telefon: 0261 / 287-1700
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Fachlicher Kooperationspartner

Prof. Dr. Wilfried Härle

Anschrift:
Universität Heidelberg
Wissenschaftlich-Theologisches Seminar
Lehrstuhl für Systematische Theologie
Kisselgasse 1
D-69117 Heidelberg

Telefon: 06221 / 543518
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